WIE VIEL VERSTEHEN IST MÖGLICH?

SP_Web-Blog_20151228_duplexWas verbirgt sich hinter Street Philosophy?

Aristoteles sagte vor fast 2.500 Jahren:
„Staunen veranlasste zuerst - wie noch heute - die Menschen zum Philosophieren.

Vielleicht muss man erstmal erklären was die Philosophie eigentlich ist, was sie kann und was sie unterscheidet von den Disziplinen die uns generell vielleicht etwas geläufiger sein mögen:
Philos, aus dem griechischen, der Freund; und Sophia, die Weisheit. Philosophie also die Liebe zur Weisheit… Sie folgt keiner vorgegebenen Methodologie, sondern basiert auf einer besonderen Art der Fragestellung und das was uns begeistert, und warum wir die Philosophie „auf die Straße“ bringen wollen ist, dass die Philosophie frei ist von Dogmen, von Absolutheit, von vorgefertigten Antworten. Es gibt kein „richtig“ und kein „falsch“.

Ich empfinde das in der heutigen Zeit als ein Geschenk. Ich persönlich mag es, dass es auf eine Frage nicht immer eine Antwort gibt. Zumindest nicht immanent. Ich persönlich mag es auch, dass sich durch eine Frage neue Fragen auftun und ich trotzdem, das Gefühl eines Erkenntnisgewinns habe.

Street Philosophy ist die Lust am Denken, die gemeinsam Lust am Denken, die Lust am gemeinsamen Denken - wie auch immer… Es ist die Freude am Hinterfragen, die Neugier und das, was wir besonders schätzen: die Offenheit und Ehrlichkeit in der Auseinandersetzung, sowohl mit den Themen, als auch mit den Menschen.

Die Fragestellungen mögen auf den ersten Blick banal erscheinen und genau das ist es - das Hinterfragen einer Selbstverständlichkeit - was uns ermöglicht neue Perspektiven kennenzulernen, andere Sichtweisen zu entdecken und zu verstehen, dass es gilt viele Wahrheiten zu hinterleuchten auf dem Weg zur Wahrhaftigkeit.

„Wahrheit braucht Zeit“, sagte Dunja Hayali am Wochenende bei der Verleihung der Goldenen Kamera. Und sie antwortete auf die Frage, warum sie trotz aller Beleidigungen, Beschimpfungen, Bedrohungen, trotz des offenen Hasses weitermachen würde:
„Ich setze immer noch auf den Dialog; mich interessieren andere Meinungen, andere Argumente.“
Und die Juroren begründeten ihre Auszeichnung mit den Worten:
„Hayali geht keiner Konfrontation aus dem Weg und flüchtet sich niemals in Ironie.“

Damit sind wir aus meiner Sicht genau beim Thema: Es geht um das Verstehen-Wollen.
Es geht um das Verstehen, das Verstehen des Anderen. Und wir merken gerade jetzt, dass Verstehen auf vielen Ebenen und in vielen Bereichen immer dringender und notwendiger wird. Sei es in den unmittelbaren Beziehungen in unserem Privatleben - wo sich durchaus die eine oder andere Frage auftun mag - oder sei es auf der Weltbühne und den immer komplexer und lauter werdenden Themen.

Wenn wir uns mit dem Verstehen befassen, merken wir, dass alleine schon das Wort verschiedenste Bedeutungen hat.
Wenn wir „etwas verstehen“, können wir es sinnmäßig erfassen; wenn wir „jemanden verstehen“, können wir uns in ihn hineinfühlen; wenn wir uns „mit jemanden verstehen“, haben wir eine gute persönliche Beziehung zu dieser Person. Anders im Französischen, wo von der Etymologie her die gute Beziehung sich dem „Hören“ und nicht dem „Verstehen“ zuordnet. („On s’entend bien“)…

Wieviel Verstehen ist möglich? Oder ist es so wie der chilenische Biologe und Philosoph Humberto Maturana sagt: „Verstehen ist unmöglich.“? Kann es immer nur Annäherung geben und wenn ja, reicht das aus? Wie ist es dann mit der Verschmelzung - und unserer Sehnsucht danach?

Dies waren die einleitenden Worte von Nina Schmid beim 1. Street Philosophy Talk in Hamburg,
„Wie viel Verstehen ist möglich?“, am 09.02.16 im east Hotel.

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