„Und dass ein Mann vor allem anderen danach streben müsse, nicht dass er scheine, gut zu sein, sondern dass er es sei.“
Was Sokrates hier im Blick hat, ist keine geringe Aufgabe für den Menschen. Es geht zunächst um das Thema Heuchelei versus Aufrichtigkeit.
Wer gut erscheint, erscheint vor den anderen als gut. Es gibt Menschen, die es trefflich verstehen, sich vor anderen so zu inszenieren, dass sie in einem guten Licht dastehen. Sie wissen, was die Gesellschaft von ihnen erwarten und erfüllen diese Erwartung auch.
Doch diese Haltung hat für Sokrates wenig bis gar nichts mit dem zu tun, was er mit einem guten Menschen verbindet. Es geht ihm um etwas Authentisches.
Wer gut sein möchte, kann sich nicht das Mäntelchen des guten Tuns umhängen, sondern er muss aus sich selbst heraus gut sein. Gut zu sein ist eine Haltung, die man nicht hat, sondern IST.
Wahrhaft gut ist für Sokrates der Mensch, der mit dem Absoluten, das das Wahre, Gute und Schöne ist, in Berührung steht.
Katharina Ceming, Oktober 2015
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Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.
Bei Street Philosophy führt uns Katharina Ceming mit Sokrates durch das Jahr 2015