Bertrand Russell gilt als einer der größten Mathematiker und Logiker des 20. Jahrhunderts.
Er studierte u.a. Mathematik in Cambridge, wo er Alfred North Whitehead kennenlernte, mit dem er Jahre später die „Principia Mathematica“ verfasste, ein Werk, das seinen Ruhm in der Logik und analytischen Philosophie begründete. Russell kann auch als Förderer und Unterstützer Ludwig Wittgensteins gelten, dem er in Oxford begegnete.
Russell beließ es aber nicht dabei, logisch-analytischen Werke zu verfassen, sondern er veröffentlichte mehrere Bücher zur Ethik, die er selbst jedoch nicht so sehr als philosophische Disziplin betrachtet, da er darunter nur das fasste, was wirklich wissbar sei. Ethik hingegen beruhte seiner Ansicht auf Werturteilen.
Der Kampf für soziale Gerechtigkeit:
Russell beschäftigte sich zeitlebens intensiv mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit und mit Überlegungen, wie eine friedliche Weltordnung zu erreichen sei. So kämpfte er schon sehr früh für das Frauenwahlrecht und für eine antiautoritäre Erziehung.
Sein Werk „Ehe und Moral“, das 1929 erschien, führte dazu, dass 1940 seine Ernennung zum Professor für Logik am City College von New York annulliert wurde. Dies war nicht das erste Mal, dass er aufgrund seiner ethischen Ansichten abgestraft wurde. Seine Haltung als Pazifist während des ersten Weltkriegs hatte zum Verlust seiner Arbeitsstelle am Trinity College und sogar zu einer 6 monatigen Haftstrafe geführt. Beim Prozess in New York 1940 warfen ihm christliche Fundamentalisten vor, Ehebruch und Homosexualität zu propagieren. Russell hatte es als bekennender Agnostiker gewagt, die christlichen Vorstellungen von Ehe und Sexualität kritisch zu hinterfragen und dem eine humanistische geprägte Vorstellung entgegenzustellen.
Engagement für Frieden und Menschenrechte:
Besondere Verdienste erwarb sich Russell in seinem Einsatz für den Frieden. Als 1962 die Kubakrise in einer atomaren Katastrophe zu eskalieren drohte, schrieb er zahllose Telegramme an Kennedy und Chruschtschow, welcher letztlich einlenkte.
Bis an sein Lebensende setzte sich Russell mit einer ungeheuren Energie für den Frieden und die Menschenrechte ein.
Katharina Ceming, Mai 2015
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Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.
Bei Street Philosophy bloggt Katharina Ceming einmal im Monat über einen Philosophen der in dem entsprechenden Monat Geburtstag hat.
Bertrand Russell: geb. 18. Mai 1872 (gest. 2. Februar 1970)