Hypatia
Die neuplatonische Denkerin Hypatia wurde um das Jahr 355 in Alexandria geboren und im März 415 oder März 416 in Alexandria ermordet. Es sei an dieser Stelle gestattet, einmal nicht den Geburtstag, sondern den Todestag zur Inspiration zu nutzen…
Die wichtigsten Zeugnisse, die wir von ihr haben, stammen von ihrem Schüler dem späteren Bischof Synesios von Kyrene. Synesius verehrte seine nicht-christliche Lehrerin, die von einem christlichen Mob brutal ermordet wurde, über alle Maßen. Hypatia war als enge Vertraute des römischen Präfekten Alexandriens in einen Religionskonflikt zwischen Juden, Christen und dem Staat geraten, mit dem sie selbst nichts zu tun hatte, der sie aber ihr Leben kostete.
Mathematikerin, Astronomin, Philosophin
Hypatia erhielt von ihrem Vater, dem Mathematiker Theon von Alexandria, eine umfassende Ausbildung, die es ihr ermöglichte, öffentlich als Frau zu lehren, was zu ihrer Zeit fast ein Ding der Unmöglichkeit war. Genau wie die Tatsache, dass sie ihr Leben lang unverheiratet blieb. Aufgrund ihrer pädagogischen Fähigkeiten kamen ihre Schüler von überall her. Spätere Chronisten berichteten, dass sie den Philosophenmantel trug, was sie zu einer öffentlichen Lehrerin machte.
Neuplatonisches und kynisches Denken
Inhaltlich war sie in der platonisch neuplatonischen Philosophie verbunden. Sie interpretierte die Schriften Platons und Plotins, aber auch anderer bedeutender Denker. Zudem lehrte sie wie ihr Vater Mathematik und Astronomie. So wie es scheint, tat sie dies nicht vor einer, der Öffentlichkeit unzugänglichen Gruppe, sondern in der Öffentlichkeit, weshalb einige Forscher Einflüsse der kynischen Philosophie bei ihr vermuten. Die Kyniker liebten es, mitten in Athen ihre Weisheiten zum Besten zu geben. Aber auch ihre unerschrockene Art und ihr zum Teil unkonventionelles Verhalten legen es nahe, dass sie sich dem Kynismus verbunden fühlte.
Liebe zur Weisheit jenseits aller Konzepte
Hypatia beeindruckte ihre Zeitgenossen jedoch nicht nur durch ihren scharfen Verstand, sondern auch durch ihr ethisches Verhalten. Für uns ist sicherlich die Souveränität beeindruckend, mit der eine Frau in einer Zeit, in der der Ort der Frau das Haus war, ihren eigenen Weg unbeirrt ging und deutlich demonstrierte, dass weder Geist noch Vernunft männliche Domänen sind.
Katharina Ceming, März 2016
im Philoskop über Hypatia
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Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.
Bei Street Philosophy bloggt Katharina Ceming in unserem Philoskop einmal im Monat über einen Philosophen der in dem entsprechenden Monat Geburtstag hat.
Dankeschön für die Erinnerung an Hypatia an dieser Stelle. Die alexandrinische Philosophin, die hier in die Tradition der „street philosophy“ einbezogen wird, hatte ich wohl zuerst wahrgenommen durch den Artikel im „Philosophinnen-Lexikon“. Später freute es mich sehr, von ihr in Umberto Ecos Roman „Baudolino“ wieder zu lesen, und diese Geschichte ist menschlich, literarisch und philosophisch hinreißend. Der Abschied von Umberto Eco motiviert zu diesen Zeilen ebenso wie das gehaltvolle März-Philoskop.