Friedrich Wilhelm Joseph Schelling,
27. Januar 1775
Der in Leonberg im damaligen Herzogtum Württemberg geborene deutsche Philosoph zählt zu den bedeutendsten Vertretern des sogenannten Deutschen Idealismus. Kaum ein anderer Denker wurde von seinen Zeitgenossen gleichermaßen geschätzt wie verachtet.
Während die einen in seiner sehr spekulativen, von der Mystik angehauchten Philosophie nichts anderes als ein In-den-Tag-Hineinschwätzen erkannten, so der boshafte Kommentar Arthur Schopenhauers über Schelling, verehrten andere ihn als Genie.
Das Absolute in uns
Philosophisch rang Schelling mehr oder weniger sein ganzes Leben mit dem Absoluten. Zunächst beeinflusste ihn das Denken Kants und vor allem Fichtes. Doch so leidenschaftlich er sich zunächst Fichtes Idee vom „absoluten Ich“ als Ausgangspunkt jeder Philosophie verschrieb, so heftig bekämpfte er sie einige Jahre später als unzulänglich.
Schelling war überzeugt davon, dass wenn der Mensch nur tief genug in sich hineinblicke, etwas Tieferes und Größeres als nur das Menschliche in sich erblicke: das Ewige in uns. Doch unser herkömmliches Denken ist nicht in der Lage dies zu erkennen. Dazu bedarf es einer besonderen Erkenntnis, die Schelling die „intellektuelle Anschauung“ nannte. Er sah die Aufgabe der Philosophie primär darin, durch die intellektuelle Anschauung die Grenzen des Endlichen zu übersteigen und das Absolute und Ewige zu vergegenwärtigen.
Die Natur als lebendiges Prinzip
Dieses Ewige ist das Lebensprinzip, das in allem wirkt. Damit ist aber die Natur nicht mehr nur unbelebte Materie, sondern auch von Geist durchzogen. Mit seinem von der Romantik beeinflussten Naturverständnis brachte Schelling eine ganz neue Betrachtungsweise von Natur in die Philosophie ein.
Natur ist nicht unbelebte Materie, sondern etwas geistig Durchdrungenes. In allen Naturprozessen ist das Göttliche evident, auch wenn nur die Vernunft das „vollkommene Gegenbild Gottes ist“. Vielleicht ist es gerade dieses Naturverständnis, das die Philosophie dieses am 20. August 1854 in Bad Ragaz in der Schweiz verstorbenen Denkers wieder aktuell macht.
Katharina Ceming, Januar 2016
im Philoskop über Friedrich Wilhelm Joseph Schelling
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Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.
Bei Street Philosophy bloggt Katharina Ceming in unserem Philoskop einmal im Monat über einen Philosophen der in dem entsprechenden Monat Geburtstag hat.
Im Februar 2016 spricht Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming über das Thema „Gelassenheit“ im Kitzbühel Country Club. Seien Sie mit dabei!
Hiho, schöner Anfang, dennoch wie wäre es wenn man probiert das alles etwas verständlicher / tiefer zu betrachten?
Zitat: In allen Naturprozessen ist das Göttliche evident, auch wenn nur die Vernunft das „vollkommene Gegenbild Gottes ist“.
Meine Fragen wären: Warum? Was sind ist daraus abzuleiten?
Eins, Zwei mehr Sätze währen nicht zu verachten
Nur die Vernunft kann das vollkommene Gegenbild Gottes sein, weil sie im Gegensatz zur Natur etwas rein Geistiges ist, so wie das Göttliche auch.
Schellings Naturverständnis eröffnet die Möglichkeit für einen anderen, umfassenderen Blick auf die Natur als die mechanistische Naturbetrachtung eines Descartes.Ob Schellings antimechanistisches Naturverständnis jedoch für eine moderne und im umfassenden Sinne integrale Ökologie als Grundlage dienen kann, möchte ich nicht abschließend beantworten müssen.