OKTOBER-PHILOSKOP: HANNAH ARENDT

Die deutsch jüdische Philosophin Hanna Arendt, die 1933 aus Nazi-Deutschland emigrierte und letztlich in den Vereinigten Staaten eine neue Heimat fand, wo sie 1975 starb, zählt bis heute zu den einflussreichsten politischen Denkern des 20. Jahrhunderts.

Arendt die u.a. bei Heidegger und Jaspers studierte hatte und mit Jaspers zeitlebens befreundet war, wandte sich in ihrem eigenen philosophischen Wirken deutlich stärker der politischen Philosophie zu.

Dennoch schätze sie gerade Karl Jaspers Existenzphilosophie, da sich diese mit den Grenzfragen des Daseins beschäftigte. Arendt selbst begann sich schon in ihrer Zeit in Deutschland, aber auch im französischen Exil aktiv mit Politik zu beschäftigen.

In ihrem 1951 erschienen Buch „The Origins of Totalitarianism“ setzte sie sich neben dem NS-Regime auch mit dem Stalinismus auseinander. Im dritten Teil des Werkes beschäftigte sie sich eingehend mit Strukturen des Totalitarismus, von denen Hannah Arendt überzeugt war, dass totalitäre Bewegungen nicht an eine bestimmte Weltanschauung oder Ideologie gebunden seien und daher jede Weltanschauung mittels Terror in eine Staatsform überführen könne. Ein Kennzeichen von totalitären Bewegungen war für Arendt neben dem, dass sie alle Bereiche des menschlichen Lebens durchdringen möchten, ihr Streben nach Weltherrschaft.

Wenn wir uns den politisch-islamischen Fundamentalismus ansehen, so versuchen seine Protagonisten genau dieses Programm umzusetzen.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie durch ihre Berichterstattung für den New Yorker über den Eichmannprozess in Israel bekannt. 1963 veröffentlichte sie dazu ihr Buch „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen.“

Gerade der Untertitel führte zu heftigen Kontroversen.

Im Kontext dieser Auseinandersetzung zerbrachen einige ihrer Freundschaften u.a. mit Hans Jonas. Der Hauptvorwurf gegen Arendt lautete, dass das Böse nicht banal sein könne. Eichmann sei eben nicht das kleine unbedeutende Rädchen in der Judenvernichtung als das er sich seinen Richtern verkaufen wollte.

Mit ihrer Beschreibung von Eichmann, dem sie jegliche dämonische Tiefe absprach, verletzte sie die Gefühle vieler Überlebenden, aber sie verwies auf etwas sehr Wesentliches:

Nämlich, dass die totale Negation der Menschlichkeit nicht nur bei pathologisch-psychopatisch Menschen anzutreffen ist, sondern dass diese Negation der Menschlichkeit relativ einfach durch bestimmte politische und gesellschaftliche Strukturen jederzeit erzeugt werden kann.

Katharina Ceming, Oktober 2015
im Philoskop über Hannah Arendt, geboren am 14. Oktober 1906 (gestorben im Dezember 1975)

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Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.

Bei Street Philosophy bloggt Katharina Ceming in unserem Philoskop einmal im Monat über einen Philosophen der in dem entsprechenden Monat Geburtstag hat.


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