Der Jahreswechsel bietet oft die perfekte Gelegenheit die Selbstverständlichkeiten und Beschränkungen des Alltags neu zu überdenken.
Bestenfalls bieten die Tage zwischen den Jahren Zeit sich zu erholen und auszuruhen und so einen frischen Blick auf die Dinge zu gewinnen. Vielleicht setzt man sogar Prioritäten neu, fasst neue Vorsätze. Bis man dann allzu oft und viel zu schnell nach den Feiertagen vom Alltag wieder eingeholt wird, alle guten Vorsätze vergisst und alles beim Alten ist.
Das Nachdenken über sich selbst und seinen eigenen Weg als eine Form der Selbsterkenntnis brauchen diesen Abstand vom Alltag.
Zeit sich zurücklehnen zu können, wie es bei Feiertagen einfacher möglich ist, schafft eine Art individuellen Elfenbeinturm. Dabei können wir uns auf Erkenntnis-Suche begeben, oft ein Stück Arbeit aber immer spannend.
Doch wie schafft man es, die gewonnene Erkenntnis in den Alltag mitzunehmen?
Der Münchner Philosoph Julian Nida-Rümmelin schreibt “Am Ende allen Begründens steht die praktizierte Lebensform als Ganzes.”
Den Blick auf das Ganze zu richten verändert den Erkenntnisprozess, der damit auch den Wechsel, wie den zwischen Feiertagen und Alltag, zwischen Selbstbild und Alltagserfahrung, umfasst. Erfahrung und gedankliche Neuorientierung werden Teil eines lebendigen Abgleichs, in dem die Begründung wie die Praxis gleichermaßen von Bedeutung sind.
Es ist der Wechsel zwischen dem Nachdenken und Erfahrungen-machen, der diesen Erkenntnisprozess befruchtet – in diesem Sinne: Frohe Feiertage!
Julia Inthorn, Dezember 2015
Dr. Julia Inthorn ist Philosophin und Medizinethikerin.
Sie lehrt und forscht am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen.
In ihrem Unterricht setzt sie sich mit Medizinstudierenden gemeinsam darüber auseinander, wie die individuelle Patientenperspektive und die medizinisch wissenschaftliche Perspektive des Arztes in gemeinsam verantwortete Therapieentscheidungen zusammengebracht werden können.
Dr. Inthorn hat in München Philosophie, Erwachsenenbildung und Mathematik studiert und in Philosophie promoviert. Nach Forschungstätigkeiten an der LMU in München und an der Universität Wien, arbeitet sie gegenwärtig in Göttingen in einem internationalen Forschungsprojekt zu ethischen Aspekten prädiktiver Gentests. In ihrer Forschung spielt die Frage, was Menschen unter Gesundheit verstehen wollen, und welche Information sie hierfür nutzen wollen, eine zentrale Rolle.
Bei Street Philosophy leitete Frau Dr. Inthorn zuletzt einen Workshop mit dem Titel „Ich denke, also bin ich. Wirklich?“. Es ging um die Frage, ob Denken wirklich das ist was uns als Menschen und unser Leben ausmacht.
Waren Sie mit dabei?
Auch im kommenden Jahr haben wir eine Vielzahl an spannenden Veranstaltungen für Sie.
Wir freuen uns!

Kommt der Jahreswechsel und sagt: „Hallo, mal aufpassen! Ich biete dir …“
Und die Tage zwischen den Jahren kommen auch schon gelaufen: „He, wir haben Ausruhen für dich im Angebot!“
Die Prioritäten warten schon lange sehnsüchtig darauf, von uns gesetzt, und die neuen Vorsätze, gefasst zu werden.
Und natürlich droht ganz nebenbei ständig der Alltag, uns einzuholen.
Sprechen, denken, schreiben wir nicht die Sprache von Bekloppten?
Wenn es uns besser gehen soll, dürfte sich als hilfreich erweisen, dass wir uns mal bewusst machen, was wir tun.
Hoffentlich halten wir es aus!
Franz Josef Neffe