FEBRUAR-PHILOSKOP: SCHOPENHAUER

Arthur Schopenhauer

ViewArthur Schopenhauer wurde am 22. Februar 1788 in Danzig geboren. Der Nachwelt ist er vor allem mit seinen Aphorismen zur Lebensweisheit bekannt geworden.

Sein Werk umfasst jedoch sehr viel mehr Schriften als nur die Aphorismen, in denen er, in der ihm gleichermaßen brillanten wie ätzenden Art, darüber reflektiert, wie das menschliche Leben gut gelingen kann.

Dass Schopenhauer selbst nicht unbedingt als Weiser, sondern eher als Misanthrop seinen Zeitgenossen in Erinnerung blieb, hing mit seiner kompromisslosen und rechthaberischen Persönlichkeitsstruktur zusammen. Wer nicht seiner Meinung war, der wurde hart angegangen. Schopenhauers Lieblingsfeind war der zu seiner Zeit, im Gegensatz zu ihm selbst, berühmte Philosoph Hegel. Schopenhauer starb am 21. September 1860 in Frankfurt am Main.

Alles ist Leiden
Trotz seines unangenehmen Wesens rentiert es sich, seinen Gedanken Raum zu geben, denn er regt zum Nachdenken und Selberdenken an. Wie kaum ein anderer Denker analysierte er die Grundregungen des menschlichen Lebens. Die vielen Bedürfnisse, die der Mensch verspürt, können kaum erfüllt werden. Diese Nicht-Erfüllung erzeugt Leid.

Damit kam Schopenhauer zu einem recht ähnlichen Ergebnis wie der Buddhismus, dessen Lehren Ende des 19. Jh. im Westen einem gebildeten Publikum bekannter wurden. Schopenhauer sah daher im Buddhismus eine verwandte Lehre, die er zeitlebens gegen das jüdisch-christliche Denken positionierte.

Der Wille als Urgrund
Der Grundantrieb aus dem heraus der Mensch agiert, ist für ihn der Wille. Dieser Wille ist von Gegensätzen und Widersprüchen durchzogen, die wiederum Leid erzeugen. Aus diesem Grund geht der Weg zur Leidfreiheit für Schopenhauer nur über die Verneinung des Willens. Diese Verneinung erfolgt, wenn der Mensch erkennt, dass alles Leiden in der Welt nur eine Erscheinung des Urwillens ist, nicht aber dieser selbst. Wer begreift, dass die Erscheinung nicht die Wirklichkeit ist, kann sich von der falschen Illusion des Scheins befreien und kommt zur Seelenruhe.

Mitleid als Weg aus dem Leiden
Interessant ist aber auch, welche Konsequenz Schopenhauer auf der praktischen Seite aus der Verneinung des Willens zog. Wo der Wille durch das Handeln verneint wird, entsteht Mitleid, denn wer erkennt, dass alle im Urwillen vereint sind, der weiß, dass alle am Gleichen leiden.

Dieses Leiden kann durch ein aktives Mit-Leiden beseitigt werden.

Katharina Ceming, Februar 2016

im Philoskop über Arthur Schopenhauer

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Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.

Bei Street Philosophy bloggt Katharina Ceming in unserem Philoskop einmal im Monat über einen Philosophen der in dem entsprechenden Monat Geburtstag hat.

Im Februar 2016 spricht Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming über das Thema „Gelassenheit“ im Kitzbühel Country Club. Seien Sie mit dabei!

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