Epikur im Februar
„Leer ist die Rede jedes Philosophen, durch die keine menschliche Leidenschaft geheilt wird. Wie nämlich Medizin nichts nützt, wenn sie nicht die Krankheiten aus dem Körper vertreibt, so nützt die Philosophie nichts, wenn sie nicht die Leidenschaft aus der Seele vertreibt.“
Diese Aussage Epikurs könnte man fast als Wahlspruch der gesamten antiken Philosophie ausgeben.
Philosophie als Therapie
Philosophie hat für Epikur eine therapeutische Funktion. Das mag moderne Menschen vielleicht überraschen, die mit Philosophie eher eine etwas abstraktere denkerische Auseinandersetzung mit den großen Fragen des Daseins verbinden. Doch für Epikur verdient die Lehre eines Philosophen nur dann das Siegel „Philosophie“ wenn sie dem Menschen ganz lebenspraktisch hilft, mit den Widernissen des Daseins umzugehen. Die wichtigste therapeutische Aufgabe der Philosophie besteht darin, die seelischen Beunruhigungen zu vertreiben, indem sie deren Ursachen aufspürt und beseitigt.
Die Beunruhigungen der Seele therapieren
Für Epikur beunruhigen unter anderem falsche Meinungen und Ansichten über die Welt und das Leben die Menschen. Daher muss die Philosophie diese falschen Meinungen korrigieren. Aber auch unrealistische Erwartungen bzw. Wünsche führen zu Unlust und Schmerz, da diese kaum verwirklichbar sind. Aufgabe der Philosophie ist es dafür zu sorgen, dass der Mensch die dahinter liegenden Begierden erkennt und beherrscht. Denn wenn nicht mehr die Begierden den Menschen beherrschen, sondern der Mensch die Begierden, dann ist er frei.
Lebe in der Gegenwart
Je mehr ein Mensch im Jetzt lebt, desto mehr kann er gestalterisch auf sein Leben einwirken und desto weniger fühlt er sich vom Zufall abhängig. Entscheidend ist für Epikur die innere Einstellung eines Menschen zu sich und seinem Tun und weniger das äußerliche Ergebnis dieses Tuns, das eben von vielen anderen Faktoren mitbeeinflusst werden kann, auf die er nicht immer Einfluss hat.
Katharina Ceming, Februar 2016
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Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.
Bei Street Philosophy führt uns Katharina Ceming mit Epikur durch das Jahr 2016.