EPIKUR: LUST

Epikur im Januar


Riesenrad
Lust als Lebensziel
Es gibt vermutlich nicht allzu viele Philosophen, die vorsätzlich so missinterpretiert wurden, wie der griechische Denker Epikur, der 341 auf Samos geboren wurde. Bis heute eilt ihm der Ruf voraus ein wilder Lüstling zu sein, weil er die Lust (griech.: Hedone), zum obersten Prinzip des menschlichen Lebens erhob. Epikur ging dabei von einer sehr einfachen Erfahrung aus. Er sah, dass der Mensch bereits im Säuglingsalter nach dem strebt, was ihm Lust verschafft.

Seelenruhe ist die wahre Lust
Doch, was Epikur tatsächlich unter Lust verstand, machte er unmissverständlich deutlich. In einem Brief an Menoikos heißt es: „Wenn wir also sagen, dass die Lust das Lebensziel sei, so meinen wir nicht die Lüste der Wüstlinge und das bloße Genießen, wie einige aus Unkenntnis und weil sie mit uns nicht übereinstimmen oder weil sie uns missverstehen, meinen, sondern wir verstehen darunter, weder Schmerz im Körper noch Beunruhigung in der Seele zu empfinden.“

Lustvoll leben geht nicht ohne Vernunft
Um wahrhaft lustvoll leben zu können braucht es daher Vernunft. Wie alle großen Denker der Antike war Epikur davon überzeugt, dass ein menschliches Leben nur gut gelingen kann, wenn es ein vernunftgemäßes Leben ist, denn die Vernunft zeigt dem Menschen, welche Formen der Lust ihn dauerhaft glücklich machen und welche nicht. Wer nur nach sinnlichen Begierden strebt, der leidet, wenn sie ausbleiben und erfährt dadurch Schmerz, also das Gegenteil von Lust.

Je weniger sich der Mensch von äußeren Faktoren abhängig macht, desto weniger können ihm diese Unlust bereiten. Daher empfahl er seinen Schülern und Schülerinnen, zu genießen, was das Leben bereithält, ohne sich davon abhängig zu machen. Wer frei ist von Anhaftungen, ist in der Lage das Leben wahrhaft zu genießen, da er das Schöne, das kommt, wertschätzen kann, ohne aus der Bahn geworfen zu werden, wenn es ausbleibt.

Katharina Ceming, Januar 2016

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Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.

Bei Street Philosophy führt uns Katharina Ceming mit Epikur durch das Jahr 2016.

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