Kategorie-Archiv: Mit Sokrates durch das Jahr

SOKRATES: DAS GUTE LEBEN

„Der Gerechte also ist glückselig und der Ungerechte elend.“

In diesem Satz geht es weit mehr als nur um Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Es geht um das gute Leben an sich, von dem Sokrates, wie nahezu alle antiken Philosophen überzeugt war, dass das gute und glückselige Leben kein Zufall oder ein Schicksal sei, sondern, dass es bewusst vom Einzelnen gewählt und verfolgt werden müsse.

Für das gute und glückselige Leben ist der Mensch verantwortlich, weil Glück kein dauerhaft positives Erleben eines bestimmten Zustands ist, sondern die Fähigkeit, auch gut mit den Unbill des Daseins umgehen zu können. Weiterlesen

SOKRATES: EINÜBUNG INS STERBEN

„Philosophie ist Einübung ins Sterben.“

Wer diesen Satz aus dem Phaidon-Dialog liest, wird sich vermutlich erstaunt die Augen reiben.

Ist Philosophie nicht die Kunst des guten Lebens, ist sie nicht die Disziplin, die sich um Wahrheit und Erkenntnis bemüht?

War Sokrates etwa ein lebensmüder Nihilist, der aus Verzweiflung über das Leben, dessen Sinn nur im Tod finden konnte?

Diese Option können wir sicher ausschließen. Weiterlesen

SOKRATES: MEHR SEIN ALS SCHEIN

„Und dass ein Mann vor allem anderen danach streben müsse, nicht dass er scheine, gut zu sein, sondern dass er es sei.“

Was Sokrates hier im Blick hat, ist keine geringe Aufgabe für den Menschen. Es geht zunächst um das Thema Heuchelei versus Aufrichtigkeit.

Wer gut erscheint, erscheint vor den anderen als gut. Es gibt Menschen, die es trefflich verstehen, sich vor anderen so zu inszenieren, dass sie in einem guten Licht dastehen. Sie wissen, was die Gesellschaft von ihnen erwarten und erfüllen diese Erwartung auch.

Doch diese Haltung hat für Sokrates wenig bis gar nichts mit dem zu tun, was er mit einem guten Menschen verbindet. Es geht ihm um etwas Authentisches.

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SOKRATES: „DARUM IST ES BESSER, EIN UNRECHT ZU ERLEIDEN…“

Was hier als eine Art Quintessenz des Gorgias-Dialoges vorgetragen wird, ist das Ergebnis einer erbittert geführten Diskussion um den Sinn und Zweck der Rhetorik.

Für Sokrates ist die Rhetorik kein wertneutrales Machtinstrument, sondern sie muss moralisch verantwortlich eingesetzt werden.

Der Vorstellung, dass die Moral nur ein Mittel der vielen Schwachen sei um die Interessen der Starken zu beschneiden, widerspricht er energisch, genau wie der Vorstellung, dass das Tun eines Unrechts weniger schlimm sei als das Erleiden eines Unrechts. Diese Position vertreten seine sophistischen Widersacher in der Diskussion. Weiterlesen

SOKRATES: „DAS WÄRE EINE SCHÖNE SACHE, LIEBER AGATHON!“

Agathon rief:

„Hierher, o Sokrates, nimm hier neben mir Platz, damit auch ich von dem weisen Gedanken einen Teil bekomme …“

Sokrates erwidert:

„Das wäre eine schöne Sache, lieber Agathon, wenn es mit der Weisheit eine solche Bewandtnis hätte, dass sie aus dem Volleren von uns in den Leereren hinüberflösse, wenn wir mit einander in Berührung kommen, gleichwie das Wasser durch einen Wollenstreifen aus dem volleren Becher in den leereren hinüberfließt.“ Weiterlesen

SOKRATES: DIE SCHLECHTIGKEIT LÄUFT SCHNELLER ALS DER TOD

„Nicht dies dürfte schwierig sein, ihr Athener, dem Tode zu entrinnen, sondern viel schwerer ist es, der Schlechtigkeit zu entrinnen, denn sie läuft schneller als der Tod.“

Was Sokrates hier seinen Athener Mitbürgern angesichts seiner Verurteilung durch das Athener Bürgergericht zum Tode sagt, mag auf den ersten Blick erstaunen, doch es entspricht ganz seinem Philosophieverständnis. Weiterlesen

SOKRATES: WISSEN UND ETHIK IM HANDELN VEREINEN

„Denn eben darin liegt ja das Bedenkliche des Unverstandes, dass man, ohne schön, gut und verständig zu sein, sich gleichwohl einbildet, man sei allen Anforderungen gewachsen.“

Sokrates erinnert sich bei einem Gastmahl mit verschiedenen Freunden, an diese Worte seiner Lehrerin Diotima, der Seherin aus Mantineia. Wie so oft geht es bei Sokrates um die Unterscheidung von wahrem Wissen bzw. wahrer Erkenntnis und Scheinwissen. Weiterlesen

SOKRATES: DIE SEHNSUCHT NACH ZUSAMMENFÜHRUNG

„Wenn nicht […] entweder die Philosophen Könige werden … oder die jetzt so genannten Könige und Regenten wahrhaft und gründlich philosophieren …, eher gibt es keine Erholung von dem Übel für die Staaten […] und ich denke auch nicht für das menschliche Geschlecht.“ erklärt Sokrates in der Politeia, im Staat.

Vermutlich werden sich nicht wenige Menschen bei diesem Satz denken, wie gut dass nicht die lebensuntauglichen Philosophen herrschen.

Doch Sokrates hat hier einen ganz bestimmten Typus Menschen vor seinem Auge: Weiterlesen

SOKRATES: WAS IST EIN GUTES LEBEN?

verkündete Sokrates in seiner Verteidigungsrede seinen Athener Mitbürgern, die ihn zum Tode verurteilen wollten.

Das Verbrechen, dessen sich der Athener Philosoph schuldig gemacht hatte, bestand in ihren Augen darin, dass er die Jugend zur Gottlosigkeit verführt hatte. Was Sokrates von dieser Anschuldigung hielt, erklärte er seinen Mitbürgern laut und deutlich:

Nichts. Weiterlesen

SOKRATES: WAS BEFÄHIGT - TALENT ODER GESCHLECHT?

„Wenn wir also Frauen und Männer für dasselbe verwenden wollen, müssen wir sie auch dasselbe lehren“ fordert Sokrates in Platons Staatsschrift.

Das Interessante an diesem Satz ist nicht nur, dass Sokrates oder Platon - vermutlich legt Platon seinem Lehrer Sokrates diese Worte in den Mund - vor knapp 2500 Jahren die Ansicht vertrat, dass Männer und Frauen dieselben Aufgaben im Staat übernehmen sollten und deshalb dieselbe Ausbildung erhalten sollten, sondern, dass die Diskussion ums Für und Wider die gleichen Argumente beinhaltete, wie wir sie heute hören können. Weiterlesen