NOVEMBER-PHILOSKOP: ALBERT CAMUS

Albert Camus wuchs in Algerien in ärmlichen Verhältnissen in einer Familie von Algerienfranzosen auf, die dort in der dritten Generation lebte. Sein Vater starb als er erst ein Jahr alt war. Nachdem ein Lehrer auf sein Talent aufmerksam wurde, konnte er aufs Gymnasium gehen. Camus engagierte sich seit Beginn seines Philosophiestudiums an der Universität von Algier politisch. Es kam allerdings bald zum Bruch mit der Kommunistischen Partei, nicht zuletzt deshalb, da ihm jede Form des Totalitarismus zuwider war.

Camus, der sich selbst nicht als Existentialist sah, beschäftigte sich jedoch zeitlebens mit einer der Grundfragen des menschlichen Daseins: der Frage nach dem Sinn.

In seinem Werk „Der Mythos des Sisyphos“ gab er darauf auch eine Antwort, die vor ihm noch nicht allzu viele Denker wagten.
Für Camus ist das menschliche Leben eine hoffnungslose Absurdität, auf die jedoch auch der Selbstmord keine befriedigende Antwort darstellt. Die einzige Aufgabe des Menschen ist es,
dieser Absurdität nicht auszuweichen, ja sie anzunehmen und zu ertragen.

Sisyphos ist für Camus der Protagonist dieser Haltung. Tag für Tag rollt er der Stein den Berg hinauf, von dem er weiß, dass dieser sobald er oben ist, wieder hinunterrollen wird. Aber er verzweifelt nicht, weil er sein Schicksal nämlich als sein eigenes begreift und nicht als etwas Fremdbestimmtes. „Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden kann“, heißt es bei Camus. Und aus diesem Grund ist Sisyphos auch ein glücklicher Mensch.

Das Interessanteste an seiner Philosophie ist, dass aus seiner Analyse der Sinnlosigkeit und Absurdität des Lebens eben keine Verzweiflung erwächst, sondern Freiheit, nämlich die Freiheit zu bestimmen wie wir leben möchten.

Die Kunst den Augenblick zu genießen findet in Camus Philosophie ebenso Platz wie Humanität und Mitmenschlichkeit. Letztere erwachsen aus der Haltung der Revolte gegen das Schicksal.

 

Auch wenn die Revolte selbst nie ein Ziel erreichen wird, ist sie die Spannkraft, die den Menschen zu einem solidarischen Wesen macht, denn der Mensch kann sich gegen das Unrecht und Leid empören und diese Empörung lässt ihn solidarisch mit den anderen Leidenden werden.

Katharina Ceming, November 2015
im Philoskop über Albert Camus, geboren am 7. November 1913 (gestorben im Januar 1960)

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Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.

Bei Street Philosophy bloggt Katharina Ceming in unserem Philoskop einmal im Monat über einen Philosophen der in dem entsprechenden Monat Geburtstag hat.

 


3 Gedanken zu „NOVEMBER-PHILOSKOP: ALBERT CAMUS

  1. Peter Knopf

    Man muss das Glücksgefühl selbst erleben, das den Geist durchströmt dessen Auge dem vom Berg ins Tal tanzenden Stein folgt, um den Sinn des Lebens zu begreifen.

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  2. Andreas Schmidt

    Ist das wirklich so?
    Wird der Mensch wirklich nur deshalb geboren, um Aufgaben zu erfüllen?
    Oder ist das auch nur eine unserer vielen Konditionierungen?
    Jeden Tag einen Stein den Berg hinaufzurollen ist da sicher noch die Erfüllung einer der harmloseren Aufgaben.
    Denn dem Stein und dem Berg macht das ja nichts.
    Bleibt aber immer noch die Frage: ‚Was soll das?‘

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    1. Katharina Ceming

      Ich glaube nicht, dass es Camus Absicht war, uns zu erklären, dass wir geboren sind, Aufgaben zu erfüllen. Sisyphos ist bei ihm das Symbol für einen Menschen, der sein Schicksal tatsächlich zu seinem eigenen macht. In diesem Moment erfährt er eine andere Art der Lebensqualität, da er nicht mehr fremdbestimmt ist.

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