verkündete Sokrates in seiner Verteidigungsrede seinen Athener Mitbürgern, die ihn zum Tode verurteilen wollten.
Das Verbrechen, dessen sich der Athener Philosoph schuldig gemacht hatte, bestand in ihren Augen darin, dass er die Jugend zur Gottlosigkeit verführt hatte. Was Sokrates von dieser Anschuldigung hielt, erklärte er seinen Mitbürgern laut und deutlich:
Nichts.
Was er getan hatte, war es, Menschen zum Nachdenken und Hinterfragen der alt hergebrachten Normen und Werte zu bringen.
, sondern zu schauen, ob es gut und gerecht sei.Sokrates verglich zeitlebens sein Vorgehen mit dem Beruf seiner Mutter, der Hebammenkunst. So wie die Hebamme kein Kind macht, sondern der Mutter nur hilft, das in ihr befindliche Kind auf die Welt zu bringen, so verhilft der Philosoph seinen Schülern durch kritisches Rückfragen, die in jedem einzelnen ruhende Wahrheit hervorzubringen. Der Vorwurf, die Jugend zu verführen, zielte somit völlig ins Leere, da er ihnen keine Wahrheit verkündete, sondern ihnen nur half, diese in ihnen liegende innerste und eingeborene Wahrheit durch kritisches Denken hervorzubringen.
Zu erkennen, was wesentlich und wirklich ist, gelingt jedoch nur, wenn der Mensch bereit ist, sich selbst zu hinterfragen und Selbsterforschung zu betreiben.
Ein Leben ohne Selbsterforschung bleibt immer nur an der Oberfläche, da es sich nur mit ungeprüften Meinungen der Vielen beschäftigt und nicht mit Wissen. Für Sokrates war eine Meinung etwas, was jeder Mensch hat, das aber nie kritisch hinterfragt wurde, im Gegensatz zum Wissen.
Den Gedanken, dass ein Leben, das nur an der Oberfläche geführt wird, nicht lebenswert ist, betonte auch der ob seiner äußerst radikalen Lebensweise verachtete und gleichzeitig bewunderte Philosoph Diogenes von Sinope. Als ein Mann einmal zu ihm kam und lachend sagte, dass er eben nicht zur Philosophie geeignet sei, entgegnete ihm der Philosoph aus der Tonne, weshalb er sich dann nicht einen Strick nähme, um sein Leben zu beenden.
Katharina Ceming, April 2015
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Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.
Bei Street Philosophy führt uns Katharina Ceming mit Sokrates durch das Jahr 2015.