Wenn es ein philosophisches Gesicht der Aufklärung gibt, dann ist es Immanuel Kant. Vieles von, dem, was er thematisierte und neu zur Sprache brachte, war zwar bereits in der antiken griechischen Philosophie gedacht worden, nur erstickte diese Tradition unter dem dogmatischen und scholastischen Überbau, den sie seit dem Mittelalter trug.
Kant begann die Philosophie von diesen dogmatischen Verkrustungen zu befreien.
Sein Ausspruch: „Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!“ kann nicht nur als Leitspruch seines eigenen Philosophierens gesehen werden, sondern auch als zeitlose Aufforderung zum kritischen Denken, das zu allen Zeiten gleich notwendig ist.
Zwei Gedanken Kants verdienen bis heute besondere Beachtung: Der eine berührt die Erkenntnistheorie, der andere die Ethik.
Im Bereich der Erkenntnistheorie war Kant von der Frage geleitet:
Was kann ich wissen?
Er erkannte, dass all unsere sinnlichen Erfahrungen nur in den Kategorien von Raum und Zeit möglich sind, weshalb wir nicht ein „Ding an sich“ erkennen können, sondern immer nur Erscheinungen, also das, was es für uns ist. Wir können niemals gewiss sein, dass unsere Erkenntnis eine tatsächliche Entsprechung in der Außenwelt hat, da wir, um unsere Erkenntnis und die Außenwelt abgleichen zu können, aus unserer Erkenntnis heraustreten müssten, was uns aber niemals möglich ist. Der zweite entscheidende Gedanke Kants lautete:
Was soll ich tun?
Kant begründete die Ethik aus der Vernunft. Jeder Mensch trägt den Maßstab der Sittlichkeit in sich, da er zumindest potentiell ein vernunftbegabtes Wesen ist. Der kategorische Imperativ beschreibt diesen Maßstab: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Etwas weniger kompliziert ausgedrückt, lautet dieser Satz:
Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu. Einen universelleren Maßstab für eine allgemeingültige Ethik haben wir bis heute nicht gefunden und dieser Satz zeigt zudem, es braucht keinen Gott um ethisch zu sein.
Katharina Ceming, April 2015
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Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.
Bei Street Philosophy bloggt Katharina Ceming einmal im Monat über einen Philosophen der in dem entsprechenden Monat Geburtstag hat.
Immanuel Kant: geb. 22. April 1724 (gest. 12. Februar 1804)