Wir erstreben sie, vermeiden sie, verklären und verdammen sie. Sie scheint bald notwendige Last, bald Zweck sinnvollen Lebens:
Die Arbeit.
Wir feiern sie sogar, wie vor rund drei Monaten, am „Tag der Arbeit“. Zwar rühren an jenem Tag die meisten von uns in ihrem Namen keinen Finger, und doch: ein gewisser Stellenwert kommt damit allemal zum Ausdruck.
Für gewöhnlich dauert es auch nicht lange, bis die in der Überschrift formulierte Frage im Gespräch mit einer neuen Bekanntschaft auftaucht. Und für gewöhnlich wird hinter der ziemlich unklaren Formulierung die Frage nach der beruflichen Tätigkeit vermutet. Warum ist das so?
Etymologisch betrachtet entwickelte sich die Bedeutung des Wortes „Arbeit“ von mühseliger Tätigkeit, hin zu zweckmäßiger Beschäftigung innerhalb einer erwerbsorientierten Gesellschaft. Heute dient sie gar als wichtige Konstante unserer Lebensentwürfe.
Was tun Sie denn, wenn Sie arbeiten? Gefragt sind keine Jobbeschreibungen, sondern die konkreten Tätigkeiten, denen Sie nachgehen.
Welche Wirkungen haben diese Tätigkeiten auf Sie, Ihre Mitmenschen, Ihre Umwelt? Dazu fällt Ihnen sicherlich einiges ein. Nun bedenken sie die Bedeutung dieser Taten und Wirkungen. Wiederum für Sie, für andere, die Welt?
Vermutlich funktioniert das nicht ad hoc. Es erfordert Auseinandersetzung und Selbstreflexion. Selbst dann sind eindeutige Ergebnisse ungewiss.
Bedenken wir aber den Stellenwert, den wir gemeinhin der Arbeit zuschreiben, und die Tatsache, dass wir ihr den größten Teil unserer werktäglichen Wachphase und somit auch Lebenszeit widmen: Lohnt es sich da, genauer hinzusehen? Unsere Taten, deren Wirkungen und Bedeutung zu hinterfragen?
Die philosophische Anthropologie sieht in einer sinnvollen Tätigkeit einen Hauptpfeiler gelungenen Lebens. Dem zuzustimmen fällt nicht schwer.
Armin Freikamp, Juli 2015
Sagen Sie uns was Sie denken!
„Die Philosophie liefert keine endgültigen Antworten, kann aber dabei helfen, die richtigen Fragen zu stellen.“ Angesichts der vielen und drängenden Themen, die sich uns heute stellen, kann der Wert einer philosophischen Herangehensweise an diese deshalb kaum überschätzt werden. Davon ist Armin Freikamp überzeugt und studiert deshalb an der Ludwig-Maximilians-Universität München Philosophie. Um diese Herangehensweise auch ein Stück weit aus dem akademischen Abseits in das „echte“ Leben zu bringen, arbeitet er mit Jugendlichen in Workshops zur philosophischen Berufsorientierung.