Kaum ein anderer Denker des frühen 19. Jh. wird so sehr mit der Religionskritik verbunden, wie Ludwig Feuerbach. Zu dieser Zuschreibung trug sicherlich auch sein 1841 veröffentlichtes Werk „Vom Wesen des Christentums“ bei, mit dem er in weiten Kreisen Deutschlands bekannt wurde.
Radikaler als die französischen Aufklärer um den Kreis von Hollbach, versuchte Feuerbach zu zeigen, dass der religiöse Glaube eines vernünftigen Menschen nicht würdig sei. Das Problem der Religion sei nicht, dass sie durch die Kirche verfälscht wurde, sondern dass ihre Anschauungen gegen das wissenschaftlich-vernünftige Denken gerichtet seien.
Dennoch beließ Feuerbach es nicht einfach bei einer Kritik des dogmatischen Denkens, sondern er nahm die Religion als menschliche Angelegenheit ernst. Er versuchte den anthropologischen Gehalt des Christentums zu erschließen. Für ihn war die Religion die Spiegelung des menschlichen Wesens in sich selbst. Das, was die Religion als Gott bezeichnet, war für Feuerbach das Ausgesprochene des menschlichen Wesens.
, davon war Feuerbach überzeugt. Liebe, Unendlichkeit, Vernunft etc., alles Eigenschaften der Gattung Mensch, überträgt der religiöse Mensch auf Gott, ohne zu erkennen, dass er nur sich selbst spiegelt.
Die Aufgabe der Philosophie ist seiner Ansicht nach, diese Täuschung aufzudecken und zu therapieren, indem sie Subjekt und Prädikat wieder umkehrt. Die religiöse Rede, dass Gott Vernunft ist, würde anthropologisch gewendet einfach bedeuten Vernunft ist göttlich, womit über die menschliche Vernunft, nicht aber über Gott etwas ausgesagt würde.
Ob man Feuerbachs These über das Wesen der Religion überzeugend findet oder nicht, wird jeder für sich selbst entscheiden müssen, doch mit seiner Rückbesinnung der Religion auf das Wesen des Menschen leistete er einen wichtigen Beitrag zum Humanismus, da Feuerbach ein Ziel des menschlichen Daseins darin sah, das Leben ungeteilt bejahen zu können.
Katharina Ceming, Juli 2015
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Dr. Dr. Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Publizistin. Nach ihrem Studium der katholischen Theologie und Germanistik an der Universität Augsburg und einer Promotion im Fach Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte, habilitierte sie 2002 in Fundamentaltheologie mit einer Studie zur mystischen Theologie im Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Im Anschluss an eine dreijährige Professorentätigkeit an der Universität Paderborn erwarb sie im Jahr 2009 mit einer Arbeit über das Verhältnis von Menschenrechten und Religionen noch einen theologischen Doktortitel. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auch interessierten Laien nahezu bringen, gelang es ihr, in ihrer mehr als zehnjährigen Lehrtätigkeit unterschiedliche Personen- und Altersgruppen für philosophische und spirituelle Fragen zu begeistern.
Bei Street Philosophy bloggt Katharina Ceming einmal im Monat über einen Philosophen der in dem entsprechenden Monat Geburtstag hat.
Ludwig Feuerbach: geb. 28. Juli 1804 (gest. 13. September 1872)