„Ich denke, also bin ich …“
… ist einer der zentralen Sätze der Philosophie und darüber hinaus eine der einflussreichsten Aussagen für unser Selbstverständnis als Menschen.
Eigenständiges, möglichst rationales Denken, selbstbestimmtes begründetes Entscheiden und sich selbst und seine Umwelt zu verstehen haben einen besonders hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft.
Aber ist Denken wirklich das, was uns als Menschen und unser Leben ausmacht?
Die körperliche Dimension unserer Lebensvollzüge wird oft als selbstverständliches Funktionieren und – z.B. im Krankheitsfall - als lästige Einschränkung empfunden. Bereits die Ausbildung in der Schule legt ihren Schwerpunkt auf die Bildung des Denkens und die rationale Durchdringung von Sachverhalten und widmet deutlich weniger Zeit dem körperlichen Erleben und dem Verhältnis zu unserem Körper.
Der Street Philosophy Abend soll den Raum dazu eröffnen das Verhältnis von Geist und Körper, von Denken und sinnlich-körperlichem (Er-)Leben zu überdenken.
Es werden Methoden und alternative Denkansätze vorgestellt, die dabei helfen können, die körperliche Dimension unseres Verständnisses von Menschsein im Alltag deutlich erlebbar zu machen. Dabei sollen Körper und Geist nicht als Gegenspieler verstanden werden. Ziel der philosophischen Auseinandersetzung soll vielmehr die sinnvolle Integration beider Aspekte in eine umfassende Vorstellung von Mensch-Sein sein - und danach zu fragen wie solche Ansätze auch Bestandteil von Bildung werden können.
Das ist, was Sir Ken Robinson in seinem TED-Talk „School Kills Creativity“, der von über 33 Millionen Menschen gesehen wurde, sagt:
„Aber etwas wird einem klar wenn man (…) um die Welt reist:
Jedes Bildungssystem der Erde hat die gleiche Hierarchie von Fächern. Wirklich jedes. Es ist egal wohin man geht. Man könnte annehmen, es wäre anders, aber das ist es nicht.Ganz oben stehen Mathematik und Sprachen, darunter die Geisteswissenschaften, und ganz unten steht Kunst.
Überall auf der Welt.
Und in so ziemlich jedem System gibt es auch eine Hierarchie innerhalb der Künste. Kunst und Musik haben meistens einen höheren Status in Schulen als Theater und Tanz.
Es gibt auf dem Planeten kein Bildungssystem das Kinder täglich genauso im Tanzen unterrichtet wie in Mathematik.
Warum? Warum nicht?
Ich denke, dass das ziemlich wichtig ist. Ich denke Mathematik ist wichtig, aber das gilt auch für Tanz. Kinder tanzen die ganze Zeit, wenn sie dürfen, wir alle tun das. Wir alle haben Körper, oder? (…).
Was geschieht ist doch, dass wir Kinder wenn sie aufwachsen immer weiter von der Taille aufwärts unterrichten. Und dann konzentrieren wir uns auf die Köpfe. Und ein wenig zu einer Seite hin.“
Sir Ken Robinson
Unsere Referentin, Frau Dr. Inthorn, sagt:
„Was wie ein Selbstläufer in der Philosophiegeschichte aussieht - eine Tendenz weg von allem Körperbezogenen und hin zu einem klaren Fokus auf Bewusstsein, Denken, Rationalität - lässt sich auch lesen als die Geschichte von verlorengegangene Ideen und nicht mehr beachteten Theorien. In der Philosophie gilt es diese sinnstiftenden Ansätze des Verhältnisses von Körper und Geist wieder zu entdecken.“
Und was sagen Sie? Diskutieren Sie mit!
Ein Street Philosophy Abend mit Dr. Julia Inthorn:
Get-Together 19h, Beginn 20h, in der Josef Bar in München.
Ab 19h kann auf eigene Kosten getrunken und gegessen werden.