Täuschung

Wenn der Teufel in der Gestalt eines Poodles Dr. Faust in Goethes Meisterwerk überrascht, dann wissen wir, dass die Täuschung, die Verfälschung und das “Hinter-das-Licht” führen, in der Kunst und in der Literatur schon immer eine Rolle gespielt haben.

Vor der Fotografie hatte die Malerei lange Zeit die Aufgabe Historisches für die Nachwelt festzuhalten. Wenn diese Werke den Anschein haben, Tatsachen widerzugeben, dann ist es eben nur ein Anschein. Die Fürsten und Herrscher, die Kirchenväter und die Soldaten waren darauf bedacht, dass sie im “richtigen” Licht erscheinen, und nicht unbedingt so, wie sie oder die Umstände wirklich waren. Auch das ist Täuschung.

Später haben die Impressionisten es gewagt sich von einer wirklichkeitsnahen Ansicht zu entfernen.

Sie brachten eine Impression, einen Eindruck auf die Leinwand, die ihrer inneren Welt gespiegelt hat, aber keineswegs dem genau entsprach, was vor ihren Augen war. Das kann man vielleicht nicht Täuschung nennen, aber doch eine gewisse Verfälschung.

Künstler haben meistens eine Agenda oder einen inneren Drang, die sie leiten; sie wissen was sie tun, ob für sich oder für die Betrachter. Sie malen sich etwas von der Seele, sie wollen auf etwas aufmerksam machen, oder sie wollen uns aufrütteln. Manchmal mit einem Augenzwinkern, manchmal als Akt der Verzweiflung an der Wirklichkeit. Das ist auch ein “Manipulieren”. Sie spielen mit unseren Sinnen, gar mit unserem Unterbewusstsein, das im Stande ist, in das Bild noch mehr hineinzuinterpretieren, als was die Künstle eigentlich darstellen wollten.

Warum lassen wir uns verführen und uns täuschen?

Ich glaube, dass es unsere Neugierde weckt, uns ein Prickeln verursacht, unserem Naturell entspricht. Unsere Art zu funktionieren, unsere Wahrnehmungen sind oft auch nur Täuschung. Wir machen uns etwas vor, wir verfälschen was wir sehen und was wir fühlen. Wir biegen Tatsachen zurecht, wie wir sie brauchen, und behaupten, wir besitzen die Wahrheit. Wenn wir Bilder, Zeichnungen und alles, was die moderne Technik uns bietet, vor Augen haben, dann sind wir erstaunt, belustigt, beängstigt gar, aber wir fühlen uns lebendig, wir fühlen uns bestätigt, dass auch andere täuschen und manipulieren.

Das Kunstwerk sind aber wir, die wir in Parallelleben funktionieren, die unecht und echt auseinanderhalten können, weil wir erkennen, dass wir viele Facetten in uns tragen und nebeneinander leben lassen. Wir sind keine Fälschung aber wir sind manchmal Täuschung, aus dem Bestreben einer heiklen Situation zu entkommen, oder nur, weil wir den Schelm in uns sich einmal ausleben lassen möchten. Das ist die Lust der Täuschung.

Julia Kalmund, Oktober 2018