Spielräume

im täglichen Leben?

Freiheit existiert nur im Singular, in der Mehrzahl handelt es sich um Spielräume. 

Johann Nepomuk Nestroy (1801– 1862)

Bei Wiktionary wird die Bedeutungen von Spielraum folgendermaßen angegeben: Möglichkeit, sich in bestimmten Grenzen frei zu bewegen, kreativ zu sein oder frei zu entscheiden. Nebst natürlich einer Räumlichkeit zum Spielen.

Wo sind unsere Spielräume im täglichen Leben?

Wie der physische Raum, setzt uns ein Spielraum auch Grenzen. Unser Spielraum hört da auf, wo der Spielraum unseres Gegenübers beginnt. Er wird noch von viel mehr Faktoren begrenzt und eingeengt. Zu allem Anfang von unseren Genen und von der Kultur, von der wir geprägt wurden und ständig beeinflusst werden. 

Dennoch bedeutet Spielraum für mich Entfaltung, die Möglichkeit mich zu strecken, mich zu verändern und zu wachsen. Mein Spielraum ist etwas ganz Persönliches, und ich würde ihn gelegentlich auch meine Freiheit nennen. Innerhalb meiner Grenzen, ob innere Grenzen oder geographische, örtliche Grenzen bin ich frei. Aber wie frei bin ich wirklich? Was für Freiheiten darf ich in Anspruch nehmen? Wohl nur solche, die niemanden verletzen, meinen Werten entsprechen, und das nur so lange ich mich innerhalb der ethischen Grundsätze meiner Kultur bewege.

Trotz des schönen Spruchs von Nestroy bin ich der Meinung, dass unsere individuelle Freiheit, auch nur eine Freiheit innerhalb von gewissen Spielräumen ist. Unser Denken, das uns so beherrscht, determiniert unser Handeln. “Determinare” auf Latein heißt es Grenzen setzen. Steht das im Widerspruch zur Existenz eines freien Willens?

Wiederum heißt freie Wille für mich die Entscheidungsgewalt darüber, wie ich mit Gegebenheiten umgehe, wie ich das, was im Außen geschieht wahrnehme, und wie ich darauf reagiere.  

Die Stoiker sagen, dass wir unsere Wahrnehmung verändern können. Am besten in dem wir dessen bewusst werden, was außerhalb unserer Macht steht. Wir können unseren Willen und unseren Verstand dahingehend trainieren, dass wir unsere Wahrnehmungen hinterfragen, und emotionslos betrachten, um bessere Entscheidungen zu treffen und angemessener zu handeln.

Es nicht zuzulassen, dass wir von den Unbillen des Daseins aus der Bahn geworfen werden, sondern mehr Kontrolle über unser Leben erlangen, das ist für mich Freiheit, auch wenn es von Spielräumen eigegrenzt ist. Meine ganz individuelle Freiheit…

 Epkitet, (50 – 138), Stoiker in Rom, bietet uns eine sehr einleuchtende Erklärung: 

„Die wesentliche Aufgabe im Leben besteht darin, die Dinge zu erkennen und voneinander zu unterscheiden, um mir klar machen zu können über welche äußeren Umstände ich keine macht habe, und welche von Entscheidungen abhängen, die in meiner macht stehen.Wo finde ich dann das Gute oder Böse? Nicht in den Dingen, die nicht in meiner Macht stehen, sondern in mir selbst, in den Entscheidungen, die ich treffe.“ 

Durch die richtige Ausrichtung des Geistes mehr Gelassenheit und Freiheit zu erfahren, ist das was man durch die stoische Philosophie erlernen kann. Die passende Buchempfehlung finden Sie hier.

Julia Kalmund, Oktober 2018

Pic by @shesnorookie