Sinn

und Sinnlichkeit

So manches Mal im Leben braucht es einen Anstoß von außen, um das Offensichtliche zu erkennen. So ging es mir bei einem Vortrag von Wilhelm Schmid in Kufstein während der ‚Glück.Tage‘.

Wilhelm Schmid und seinem Buch “Mit sich selbst befreundet sein” verdanke ich meine erste ernsthafte Berührung mit Philosophie vor über 10 Jahren. Sein Thema war diesmal auch die Selbstfreundschaft. Eine seiner zentralen Aussagen war, dass der Sinn des Lebens sich uns über unsere Sinne und unsere Sinnlichkeit erschließt. Für mich ein “Aha-Erlebnis”.

Wir sehen unsere Aufgabe bei Street Philosophy gerade darin, Menschen zu ermöglichen, durch Selbstreflexion und durch die Werkzeuge, die uns die antiken, wie auch die modernen Philosophen in die Hand geben, den Sinn des eigenen Lebens zu ergründen, damit wir ein für uns gelungenes, gutes Leben leben können.

Wir informieren uns dauernd über die richtigen Verhaltensweisen, über ethisches Handeln, über Perspektivenwechsel und über eine möglichst positive Ausrichtung unseres Geistes. Aber denken wir über unsere Sinne nach, wenn wir nach dem Sinn des Lebens fragen? Sie sind doch das Tor zur Welt, die durchlässige Grenze zwischen unserem Inneren und allem, was im Außen passiert. Unsere Sinne beeinflussen unsere Wahrnehmung. Wir haben jedoch auch Macht über unsere Sinne. Sie können unser Freund sein oder unser Feind.

Sicher können wir lästigem Lärm, hässlichen Umgebungen oder erschütternden Bildern, üblen Gerüchen und “ätzendem” Geschmack nicht immer aus dem Weg gehen. Wir können aber dafür sorgen, dass wir einen Ausgleich schaffen, eine Wiedergutmachung für unsere Sinne.

Ein Spaziergang in der Natur, das Zwitschern der Vögel oder schöne Musik, der Duft von Blumen oder eines betörenden Parfüms, Speisen, die uns schmecken und ein Augenblick lang uns verzücken – all diese Erlebnisse verhelfen zu Glücksmomenten. Wir sind dann im Reinen mit uns und mit unserer Umgebung. Unsere Stimmung ist positiv und durch die positive Resonanz in uns beruhigen sich unsere Gedanken und unsere Gefühle. Wir sind dann in der Lage unserem sechsten Sinn, unserer Intuition mehr zu vertrauen, und das ist in manchen Lebenslagen ein Segen.

Mit offenen Sinnen und durch eine Sinnlichkeit, die an dieser Stelle nicht Begierde meint, lernen wir die physische Welt um uns herum zu genießen. Unsere Erfahrungen werden positiv geprägt, wir sind nicht nur kopfgesteuert, und wir können vielleicht einen neuen Zugang zu uns selbst finden, um mit uns selbst befreundet zu sein. Die Selbstfreundschaft ist die Voraussetzung dafür, dass wir für andere Menschen ehrlich da sein können. Mit sich selbst befreundet zu sein und andere Menschen zu unterstützen, sind Voraussetzungen für ein wahrlich gutes Leben.

 

Julia Kalmund, Juni 2018

Buchempfehlung:
Wilhelm Schmid, Selbstfreundschaft

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Pic by @shesnorookie