Ein Recht auf ein gutes Leben

Veranstaltung am 18.04.18 in München

“Meinen Eltern verdanke ich das Leben und meinen Lehrern das gute Leben.” Dieses Zitat wird dem berühmten Eroberer und Herrscher Alexander dem Großen zugeschrieben. Alexander war Schüler eines der größten Genies der griechischen Antike: Aristoteles.

Wenn man im Buchladen oder online stöbert, würde man meinen, dass die Suche nach dem Sinn einzig und allein eine Suche nach Glück sei. Glück in allen seinen Facetten. Aber ist Glück das, was dem Leben Sinn verleiht? Besteht ein gutes Leben aus Glücksmomenten?

Die Frage, was ein gutes Leben ausmacht, hat nicht nur die antiken Philosophen beschäftigt. Sie lässt uns seitdem nicht mehr los. Sie ist eng verknüpft mit der Suche nach dem Sinn des Lebens. Der subjektive Sinn, hat mit der Gestaltung des persönlichen Lebens jedes einzelnen zu tun. Was gibt dem Leben Sinn? Kann man ohne Sinn ein gutes Leben führen? Die Philosophin Dr. Katharina Ceming meint dazu: “Der Sinn ist die Essenz unseres Daseins.”

Die verschiedenen Epochen haben unterschiedliche Antworten auf die Sinnfrage gefunden, und wie ein gutes Leben von jedermann geführt werden kann. Egal unter welchen Umständen. Ein gutes Leben, so die Antwort der Antike, ist mehr als ein glückliches Leben. Es gibt tausende Faktoren, die auf unser Leben einwirken, und viele davon können wir kaum oder gar nicht beeinflussen. Glück ist vergänglich. Aus diesem Grund versuchten sie Konzepte zu entwickeln, die das Gelingen einer ethischen Lebensführung in den Vordergrund stellen.

“Aber wie sieht heutzutage ein “gutes Leben” aus? Braucht man dazu ein schickes Cabrio, eine Ferienwohnung in Nizza und ein ausladendes Konto? Was, wenn jemanden all dies vorbehalten bleibt? Haben nicht alle Menschen nach unserer Verfassung das Anrecht, darauf, ein gutes Leben führen zu können? Sind unsere Vorstellungen vom guten Leben ökologisch und sozial nachhaltig? Oder vielleicht sogar gefährlich für unser Überleben? Was brauchen wir wirklich, um ein richtig gutes Leben zu führen? Und haben wir ein Anrecht darauf?”, fragt die Philosophin Lisz Hirn. Und wenn ja, dann kommt gleich die Frage: Wie setzt man dieses Recht durch? Wer klagt es für uns ein?

Die Menschenrechte (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen 1948) beinhaltet den Schutz der Würde des Menschen und sein Recht auf Freiheit, Gleichheit, Sicherheit und die Sicherung seiner Existenz (Nahrung, Obdach, Gesundheit, Bildung). Einklagbar sind sie nur gegen den Staat, und das in der Praxis nicht ohne weiteres möglich. All diese Rechte sind die Grundlage um ein sicheres, sorgenfreies Leben zu leben, aber geben wir uns damit zufrieden? Wenn wir das Glück haben, dass wir unsere Grundbedürfnisse befriedigen können, dass unsere Würde respektiert und bewahrt wird, führen wir dann automatisch ein gutes Leben?

Für ein gutes Leben können wir nur selber sorgen. Wir brauchen eine eigene Auffassung vom Leben, eine Lebenswahrheit, die wir auch formulieren können. Worauf kommt es im Leben an? Was ist eigentlich wesentlich? Wir müssen unsere eigenen Bedürfnisse aufspüren, unsere Sehnsüchte wahrnehmen, unsere Möglichkeiten ausloten. Vielleicht liegt darin die größte Kunst, die richtige Wahl zu treffen, durch Tun oder auch durch Lassen. Auch die Kunst mit Zufällen umzugehen, Gelegenheiten zu ergreifen, trägt zum Gelingen eines Lebens bei. Wir wissen alle, dass das Leben ein Wechselspiel ist, und nicht nur aus Positivem bestehen kann. Zudem sind wir nicht allein unterwegs, und müssen die Balance, ein gutes Zusammenleben in der Gemeinschaft und mit unseren Mitmenschen suchen.

Wir suchen immer nach Gründen, ja nach Ausreden, warum wir gerade das tun, was wir tun. Wir sollten manchmal lieber das Leben sich entfalten lassen, und offen sein für neue Wege. Wir sollten Mut haben und uns darauf einlassen, wohin uns unsere Ideen und unser Wirken hinführen…

Lange Zeit haben Glaube und Religionen den Menschen einen tieferen Sinn vermittelt; wenn schon keine unmittelbare Hilfe im Jetzt, so die Aussicht auf “Wiedergutmachung” im Jenseits. Allerdings gibt es berechtigte Zweifel in der Moderne, ob ein Leben voll Leid dadurch leichter zu ertragen ist, weil wir womöglich Teil eines größeren Plans sind.

Ein Leben ist dann sinnvoll, wenn es uns, so wie wir es leben, Erfüllung bringt. Wir sollten uns mit unserem Leben identifizieren können. Wir können noch so viel Gutes tun, noch so viel Hilfe leisten, wenn das, was wir tun, nicht aus unserem Innersten kommt, uns nicht erfüllt, dann agieren wir oft aus Pflichtgefühl, gar aus Eitelkeit. Daraus kann sich der Sinn unseres Lebens nicht erschließen.

Um eine Antwort auf die Frage zu finden, was für uns persönlich ein gutes Leben ausmacht, müssen wir unweigerlich über uns selbst nachdenken, vielleicht neue Wege gehen, alte Gewohnheiten hinterfragen. Wir sollten uns eingestehen, dass sich die Perspektive auf ein gutes Leben durchaus ändern kann, und das nicht nur einmal. Erwachsen tragen wir viel dazu bei, ob unser Leben ein gelingendes Leben ist. Sicherlich ist nicht alles in unserer Hand, und wir leben nicht auf einer einsamen Insel. Aber gerade in der Gemeinschaft, durch unser Engagement, durch das Miteinander, durch Umsicht und Einsicht kann unser Leben an Sinn gewinnen. Der alte Spruch gilt hier im besonderen Maße: “Wir ernten, was wir säen.”

Julia Kalmund, April 2018

 

Am 18. April 2018 findet der Street Philosophy Talk mit der Wiener Philosophin Dr. Lisz Hirn mit der Frage “Gibt es ein Recht auf ein gutes Leben?” im Hearthouse Munich statt. Tickets erhalten Sie hier. Get-Together 19h00, Beginn der Veranstaltung um 20h00 am 18.04.2018.

Dr. Lisz Hirn studierte Geisteswissenschaften und Gesang in Graz, Paris, Wien und Kathmandu. Sie ist als Philosophin, als Publizistin und als Dozentin in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig sowie als freiberufliche Künstlerin an internationalen Kunstprojekten und Ausstellungen beteiligt. Die im interkulturellen Dialog engagierte Philosophin war u.a. als Gastlektorin an der Kathmandu University in Nepal tätig und hat an der Sophia University und an der Nihon University in Tokio sowie an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos in Lima referiert. Außerdem unterrichtete sie an der École Supérieure Roi Fahd de Traduction in Tanger, Marokko. Von Oktober 2015 bis Januar 2017 war sie Fellow am Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover. Lisz Hirn führt eine philosophische Praxis in Wien.

 

Für Hearthouse Munich Mitglieder ist die Veranstaltung gratis. Bitte wenden Sie sich für die Anmeldung direkt an Ihren Hearthouse Munich Ansprechpartner.
Für Nicht-Mitglieder kostet die Veranstaltung 24,-EUR. Tickets erhalten Sie hier.

Hinweis:
Da diese Veranstaltung in einem Private Member Club stattfindet, müssen die Tickets bis spätestens zwei Tage vor der Veranstaltung gebucht werden.
Es gibt keine Abendkasse.

Get-Together 19h00, Beginn der Veranstaltung um 20h00 am 18.04.2018.
Vor dem Talk kann auf eigene Kosten gegessen und getrunken werden.

Sie waren noch nie im Hearthouse Munich? Der Private Member Club versteht sich als ein Ort der Begegnung, eine Plattform für Networking und kreativen Austausch. Die Gelegenheit hier Zugang zu erhalten, und zu entdecken was sich hinter den Türen eines der schönsten Palais der Stadt eröffnet, sollten Sie nicht verpassen! Stilvolle Innenarchitektur und Kulinarik auf hohem Niveau gesellen sich am 18.04.2018 zur Philosophie und bieten damit das perfekte Ambiente für die Frage “Gibt es ein Recht auf ein gutes Leben?”

 

 

Pic by @shesnorookie