Menschsein

- egal ob Mann oder Frau

Bei dem Vorschlag Anfang des letzten Jahrhunderts einen internationalen Frauentag einzuführen, ging es in den politischen Kreisen der Sozialisten hauptsächlich um das Wahlrecht für Frauen.

Die Debatte, aber noch viel mehr die Umsetzung der Gleichstellung der Frau ist 100 Jahre später noch nicht ausgestanden. Wir sind sicher viel weiter, jedoch noch nicht da, wo wir sein möchten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und nicht nur der Männerwelt geschuldet.

Wichtiger erscheint mir, dass wir zum Innehalten und zum Reflektieren einen Tag des Menschen oder des Menschseins einführen sollten. Wir sind alle Menschen: Frauen, Männer, Kinder, Migranten, Wirtschaftsbosse, Politiker, Bauern und Arbeiter, die Kollegen, die Freunde, auch die Feinde.

Was heißt es überhaupt Mensch zu sein? Für mich hat es sehr viel damit zu tun, dass wir über uns selbst nachdenken können. Ein Privileg und manchmal ein Fluch. Bei den meisten von uns kommt ein leises Gefühl auf, dass es so nicht weitergehen kann. Das ist gut so, weil diese Einsicht im besten Falle uns über neue Möglichkeiten nachdenken lässt.

Wir können uns irren und verrennen aber das gibt uns wiederum die Chance nach neuen Wegen zu suchen. Wir wissen aus der Quantenphysik, dass wir auf ein unermesslich großes Feld an Potential zurückgreifen können. “Ein Meer von Möglichkeiten” nennt Ulrich Warnke dieses Feld. Wir können neue Wirklichkeiten erschaffen, wir können neue Bedingungen erschaffen, damit wir miteinander wachsen können. Das ist die wahre Emanzipation: eine lebenswerte Gemeinschaft, die auf Würde und Wertschätzung basiert, die es jedem ermöglicht sein oder ihr Potential zu entfalten.

Das ist keine Utopie, und entbindet uns nicht der Verantwortung und manchmal des persönlichen Einsatzes und niemals der Reflexion und Selbstreflexion. Allerdings ein Reflektieren in Freude und Leichtigkeit.

Aristoteles hat sich geirrt – er postulierte, dass es nur zwei Zustände gäbe: entweder es gibt etwas, oder es gibt etwas nicht. Wir haben jedoch Zugang zu etwas das noch nicht ist, was jedoch werden kann. Im Meer aller Möglichkeiten ist das, was noch nicht ist, aber noch werden kann, schon enthalten.

Was wollen wir mit dem Leben anfangen, das uns geschenkt wurde? Wir haben alle Sehnsüchte, wir möchten dazugehören, wir möchten in einer Gemeinschaft eingebunden sein; wir möchten das Gefühl haben, dass wir alles, was uns entgegenkommt, schaffen werden. Wir müssen uns vordringlich als Mensch erleben, und in einer Gemeinschaft von Menschen eingebettet sein, die die gleichen oder ähnlichen Ziele haben. Wir müssen zu einer inneren Haltung durch positive Erfahrungen finden, da Haltung ein Ausdruck des Bildes von uns selbst wiederspiegelt.

Und hier sind wir wieder bei der Würde, die uns Mensch sein lässt. Unser Dasein ist nicht ohne Stolpersteine aber in sich weitestgehend stimmig. Das erlaubt uns Anderen auf Augenhöhe zu begegnen. Das erlaubt uns Mensch zu sein. Wir merken, dass unsere Mitmenschen das gleiche Ziel haben: Mensch sein. Wir haben dieses Leben geschenkt bekommen, und das allein verleiht uns Bedeutung. Freilich dürfen wir unser Potential nicht verschwenden und unser Potential auch für das Wohl unserer Umgebung und unserer Mitmenschen einsetzen.

Der 08. März ist ein guter Tag, um über das Menschsein zu reflektieren. Die Unterscheidung zwischen Mann und Frau birgt schon einen Konflikt in sich. Wir sind verschieden aber wir sind alle Menschen. Wir wollen die Gleichstellung, weil wir Menschen sind!

 

 

Julia Kalmund, März 2018

Lesen Sie im Kontext des Internationalen Frauentages doch den Beitrag von Nina Schmid zum Thema Feminismus! Wir freuen uns über Ihre Meinung!