Die Lebenskunst

Ein Abenteuer voller Risiken...

Street Philosophy bietet im Jahr einige Veranstaltungen zu Kunst, da wir überzeugt sind, dass Kunst und Philosophie viel miteinander zu tun haben. Marc Rothko sagte: “Art is an adventure into an unknown world, which can be explored only by those willing to take risks.” Dieser Satz gilt auch für die Lebenskunst.

Die Lebenskunst ist auch ein Abenteuer voller Risiken… Meine erste tiefere Berührung mit alltagstauglichem Philosophieren war eine “Denkwoche” in einem wunderbaren Herrenhaus in Südwestfrankreich mit dem Philosophen Wilhelm Schmid und seinen Ansichten über die “Lebenskunst” und über die Kunst “mit sich selbst befreundet (zu) sein”.

Es gibt so viele seriöse und weniger seriöse Ratgeber, wissenschaftliche Untersuchungen, Coachings, Webinare und mehr zum Thema Glück. Wie wohltuend die Erkenntnis, dass es durchaus eine Kunst ist, ein gutes, gelingendes Leben zu führen, und dass uns hierbei die Philosophie unterstützen kann. Das Streben nach Glück, die Versuche sich selbst nach äußerlich aufgestülpten Maßstäben so zu optimieren, dass man dieses höchste der Ziele erreicht, war nicht Teil der Denkwoche, nicht Teil des philosophischen Zugangs zur Lebenskunst.

Im Gegenteil: Wilhelm Schmid meinte, “nicht die vermeintliche Stärke, sondern die Schwäche ist kreativ und produktiv. Menschen scheitern an ihre Stärken eher als an ihren Schwächen.” Und, so führt Schmid weiter aus, dass es durchaus legitim sei Angst zu haben. Mit der Angst beginnt die Lebenskunst! Denn wenn wir Angst haben ein Leben ohne Sinn zu leben, dann treibt uns dies an, nach dem Sinn zu suchen…

Wir brauchen eine eigene Auffassung vom Leben, eine Lebenswahrheit, die wir auch formulieren können. Worauf kommt es im Leben an? Was ist eigentlich wesentlich? Wir müssen unsere eigenen Bedürfnisse aufspüren, unsere Sehnsüchte wahrnehmen, unsere Möglichkeiten ausloten…

Wenn wir “Kunst” im Sinne von “Können” verstehen, dann ist Lebenskunst auch ein Können. Etwas, was wir üben können, und dann darf die subjektive Gestaltung des eigenen Lebens ein “work in progress” sein. Wir müssen realistisch unsere Möglichkeiten einschätzen, anhand der gegebenen Wirklichkeit, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch die Entscheidung auf dieses oder jenes zu verzichten.

Vielleicht liegt darin die größte Kunst, die richtige Wahl zu treffen, durch Tun oder auch durch Lassen. Auch die Kunst mit Zufällen umzugehen, Gelegenheiten zu ergreifen, trägt zum Gelingen eines Lebens bei… Wir wissen alle, dass das Leben ein Wechselspiel ist, und nicht nur aus Positivem bestehen kann. Wir sind nicht alleine unterwegs, und müssen die Balance nicht nur bei uns selber, sondern auch mit “den Anderen” suchen.

Die Lebenskunst besteht letztendlich in der Selbsterkenntnis, und darin, dass man “mit Sorge und Kunst die Seele pflegt”, um mit Sokrates und Platon zu sprechen. Und um mit Wilhelm Schmid zu enden: Die Lebenskunst besteht darin‚ die “besten Eigenschaften auf exzellente Weise im individuellen und gesellschaftlichen Leben zu verwirklichen.” Wahrlich eine Kunst!

 

 

Julia Kalmund, November 2017

Lesen Sie hier nochmal unseren Blogbeitrag “What would you wish for?”. Denn zu einem guten Leben gehört erstmal, dass man sich damit auseinandersetzt was man eigentlich wirklich möchte…

Unsere Buchempfehlung: Wilhelm Schmid, Mit sich selbst befreundet sein: Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst.

 

Pic by @shesnorookie