Kitsch

- fürchterlicher Kitsch!

Während ich mir Gedanken zum Thema Geschmack gemacht habe, tauchte plötzlich vor meinem inneren Auge der Begriff „Kitsch“ auf. Ein Wort, das viele Länder übernommen haben, was darauf hindeutet, wie schwierig es ist „Kitsch“ zu definieren oder in eine andere Sprache zu übersetzen.

Laut Umberto Eco findet sich nicht nur Schönheit im Auge des Betrachters sondern auch Kitsch. Er gibt zu bedenken, dass die der Kunst zugeschriebenen Wirkungen auch von Kitsch ausgehen können…

Wir reden viel über Kitsch aber wissen wir wirklich was gemeint ist? Kitsch, wie Kunst, hat wohl auch vielfältige Formen – schlichtweg schlechter Geschmack, oder Pseudokunst, einige Formen der Postmoderne und alles, was mit dem Begriff Trash gemeint ist: wertlos, billig, ungute Gedanken, sinnloses Reden, alles was man am liebsten wegwerfen würde. Trash heißt ja Abfall auf Englisch.

Wir sollten vieles nicht als Kitsch verdammen, das einfach nicht unserem Geschmack oder unserem Gefühl für Ästhetik entspricht. Beim Lesen oder Betrachten anerkannter Werke der Literatur aus vergangenen Zeiten, manche Strömungen in der Kunst, die zu ihrer Zeit großer Beliebtheit genossen, erschaudern wir und in unseren Köpfen schreit es: wie furchtbar kitschig! Die Zeiten ändern sich, anscheinend unsere Betrachtungsweise auch. Guter Geschmack und Kitsch, beide verwandeln sich.

Menschen, die nüchtern und sachlich erscheinen möchten, verbergen ihre Emotionen, indem sie Sentimentalität oder plötzliche Gefühlsausbrüche als Kitsch bezeichnen.

Können Gefühle Kitsch sein? Manches, was wir abtun, holt uns jedoch nicht selten ein; plötzlich macht retro oder vintage Furore, und wir betrachten die vor kurzem verpönten Gegenstände mit neuen Augen.

Der noch nicht so alte Begriff „Merchandising“ beschreibt nicht nur wie Fußballvereine ordentlich Kasse machen, indem sie Artikel mit Konterfeis der populärsten Spieler und allerlei Abzeichen der Clubs ziemlich kitschig vermarkten, nein, als Merchandising kann man auch den „Ausverkauf“ von Kunstwerken auf Tassen und Seidenschals, Shopping-Bags und Aschenbecher bezeichnen. Hier wird Kunst bewusst zu Kitsch gemacht, um die Einnahmen der Kunstinstitutionen oder mancher Airport-Shops zu steigern.

Ist das verwerflich, oder ist es ein Ausdruck unserer Freiheit, uns damit zu umgeben, was uns Freude macht? Vielleicht brauchen wir alle ein wenig Kitsch in unserem Leben, damit uns unser guter Geschmack nicht abhandenkommt, oder in den Kopf steigt, und wir nicht überheblich werden.

Kunst oder Kitsch – auch hier hilft ein Perspektivenwechsel. Wir urteilen und kategorisieren schnell, und verurteilen Andersdenkende und Andersfühlende genauso rasch und gedankenlos. Dem einen sein Kitsch mag einem anderen Kunst bedeuten. Philosophisch betrachtet lässt sich, um wieder auf Kant zurückzukommen, „über Geschmack nicht disputieren“.

 

Julia Kalmund, Dezember 2017

Haben Sie schon den ersten Beitrag diese Woche zum Thema „Geschmack“ gelesen? Ja? – dann lesen Sie doch gleich weiter über die „Schönheit“! Und schreiben Sie uns gerne einen Kommentar. Wir freuen uns immer über Feedback. 

 

 

Art by @sarashakeel