Intelligenz

– was ist das?

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Sie scheint die wegweisende Antriebskraft der Digitalisierung zu sein, und Digitalisierung ist unser neues Mantra, fast eine neue Religion.

Wissen wir eigentlich, so im täglichen Gebrauch, was wir meinen, wenn wir über Intelligenz sprechen, oder jemanden als “intelligent” bezeichnen? Was ist Intelligenz? Grob gesagt ist sie die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen, aber sie lässt sich schwer allgemeingültig definieren.

Intelligenz und ihre Definition gehören zum Gebiet der Psychologie. Es wurden IQ (Intelligenzquotient) Tests vor geraumer Zeit entwickelt, um die Intelligenz des Einzelnen empirisch zu messen. Man geht davon aus, dass das Erbgut und die Umwelt diesen Quotient bestimmen. In USA hat man schon vor längerer Zeit festgestellt, dass die soziale Herkunft größeren Einfluss auf den späteren Verdienstmöglichkeiten hat, als die Intelligenz per se.

Inzwischen kennt man die Ungenauigkeit und die Gefahren solcher Tests.

Neben den rein akademischen Fähigkeiten, die später darüber entscheiden sollen, wer schulisch und im Beruf erfolgreich ist, haben manche Autoren und Experten die emotionale Intelligenz – EQ – und die soziale Intelligenz – “Soft Skills” –  ins Spiel gebracht. Allen voran Daniel Goleman, der den Begriff EQ in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts prägte.

Bei alldem, was Kinder lernen können, und was wir Erwachsene bis weit ins hohe Alter lernen dürfen, sollte Intelligenz stets eine Kompetenz sein, Probleme und Lebensaufgaben zu erkennen und durch das Herausfiltern des Anwendbaren zu lösen. Die Fähigkeit die eigenen Emotionen zu erkennen und zu akzeptieren ist entscheidend für das Verstehen des eigenen Verhaltens und der eigenen Antriebe. Dann können wir versuchen sie so zu beeinflussen, dass sie bei der Erreichung von Zielen helfen, statt in der Unkenntnis hinderlich sind.

Diese Erkenntnisse wiederum spielen eine große Rolle in der Gestaltung unserer Beziehungen. In unserer Kommunikation mit dem Gegenüber. Wenn wir die Gefühle anderer verstehen, dann erschaffen wir eine Grundlage für eine gute Zusammenarbeit, und das  ist wiederum die Voraussetzung für “Beliebtheit, Wertschätzung und Integration in eine Gemeinschaft”, meint Goleman. All diese Eigenschaften zeugen von sozialer Kompetenz, die als die “Fähigkeit andere zu verstehen sowie sich ihnen gegenüber situationsangemessen und klug zu verhalten” beschrieben wird.

Wenn man diese Aspekte von Kognition und Verhalten in Betracht zieht, dann fällt einem gleich auf, wie utopisch es – mindestens zurzeit – erscheint, dass Maschinen diese Fähigkeiten erlernen können.

Die verschiedenen Anwendungen der künstlichen Intelligenz wird unsere Arbeit in vielen Bereichen Nutz bringend ergänzen und erleichtern. Maschinen sind, trotz rasanter Entwicklung, aber noch lange nicht in der Lage EQ und Soft Skills zu besitzen.

Statt auf dem Gebiet der KI Angst zu schüren, wäre es hilfreich, darüber nachzudenken, wie unsere Bildungsaufgabe in naher Zukunft aussehen muss, um der nachkommenden Generationen Fähigkeiten an die Hand zu geben, die viel mit Reflektion, Flexibilität, Offenheit und sozialen Kompetenzen und auch mit Wertevermittlung zu tun hat.

 

 

Julia Kalmund, September 2018

 

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