Ideologien und Mehrheiten

Wahrheit und Lüge

Zuweilen bekommt man Angst oder zumindest Beklemmungen, wenn man die Politik von Donald Trump verfolgt. Kritische Menschen fragen sich, wie es dazu kommen konnte, dass er Millionen Amerikanern als glaubwürdig erschien, obwohl er ein notorischer Lügner ist. Als er schwor das Beste für sein Land zu wollen, hingen ihm nicht weniger als 3500 Gerichtsverfahren an.

“Lügen erscheinen dem Verstand häufig viel einleuchtender und anziehender als die Wahrheit, weil der Lügner den großen Vorteil hat, im voraus zu wissen, was das Publikum zu hören wünscht.” (Hannah Arendt, Die Lüge in der Politik)

Wir meinen in einer offenen Gesellschaft zu leben, in der Lügen kurze Beine haben. Die Herren Trump und Putin belehren uns eines Besseren. Wir missachten die Gefahren, wenn wir die Wirkung dieser Meinungsmache unterschätzen. Lauthalse Behauptungen sorgen für Aufmerksamkeit und bestärken Anhänger und Follower in einer falschen Wahrnehmung der Realität. Die Forschung bestätigt, dass wir Menschen auch Nachteile in Kauf nehmen, wenn wir zur Mehrheit gehören wollen…

Allerdings zählen wir im Rest des Westens darauf, dass Amerika zumindest weiterhin eine Demokratie ist und die eigenen Dämonen im Endeffekt in Schach halten kann. Andere Irrsinnige trieben ihr Unwesen zu Zeiten, in denen der Staat selber in den Bann von einem Demagogen geriet. Zeiten, in denen die wenigsten bereit waren, sich gegen die Mehrheit zu stellen, die Propaganda zu durchschauen, für das was sie war. Zeiten, in denen sich viele durch Angst haben leiten lassen, und keine abweichende Meinung zu vertreten wagten.

Genauso verlieren wir heute die Nähe zur Realität, wenn wir uns von Stimmungsmachern Lügen für Wahrheit verkaufen lassen. Wir vergessen gerne, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen Meinung und Fakt gibt. Wir liebäugeln fast mit dem “Label” eine postfaktische Gesellschaft zu sein. In Großbritannien hat das wahrscheinlich zum Brexit Votum geführt, das den Briten selbst am meisten schadet.

“Will man die Menschen daran hindern, daß sie in Freiheit handeln, so muß man sie daran hindern, zu denken, zu wollen, herzustellen …” (Hannah Arendt, Freiheit und Politik, in “Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Übungen im politischen Denken I”)

Was lässt uns so konformistisch sein? Wollen wir uns anpassen – zu jedem Preis – weil wir das Urteil der anderen fürchten?

Die Phase, in der wir alles nachahmen und auf jeden Fall “dazu gehören wollen”, ist in der Kindheit. Das nicht Auffallen-Wollen ist dann Programm. Mit einer gewissen Reife sollte aber ein differenziertes Denken möglich sein. Ein Hinterfragen, das uns erlaubt selbstständig und reflektiert nach wirklichen Fakten zu suchen und sich erst mit Bedacht eine eigene Meinung zu bilden.

Diffuse, gefühlte Wahrheiten dürfen nicht die Grundlage für wichtige Entscheidungen werden. Wir haben in der Gesellschaft nicht nur Rechte, sondern sehr wohl auch Pflichten. Das kritische Auseinandersetzen mit Wahrheit und Lüge, Demokratie und Demagogie ist eins der wichtigsten dieser Pflichten, auch um Menschenrechte und den Frieden zu garantieren.

“Man könnte wohl sagen, daß die lebendige Menschlichkeit eines Menschen in dem Maße abnimmt, in dem er auf das Denken verzichtet.” (Hannah Arendt, Menschen in finsteren Zeiten)

 

Julia Kalmund, Juni 2018

 

 

Art by @sarashakeel

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Rezension von Michael Nowak, 23.6.18: Quantenphilosophie und Spiritualität: Wie unser Wille Gesundheit und Wohlbefinden steuert, 20. Februar 2017, von Ulrich Warnke Der Titel und der berufliche Werdegang Warnkes hatten mich auf das Buch neugierig gemacht. Ich mache es kurz: Warnke zeigt in dem Buch sein umfangreiches Wissen in den Bereichen Biologie, Physik und Psychologie. Er versucht mit dem Buch die Beeinflussung von Materie durch den Willen zu belegen. Seine Deutungen sind dabei hochspekulativ. Seine Begründungen sind methodisch fraglich. Analogien sind keine Argumente und Zitate berühmter Autoren können unterhaltsam sein und zum Denken anregen; sie begründen aber nichts. Das Zitieren von Studienergebnissen belegt auch nichts, wenn man diese nicht kritisch hinterfragt und differenziert betrachtet. Alternative Erklärungen werden nicht aufgeführt oder thematisiert. Abweichende Untersuchungen werden nicht zitiert. Das wäre für den Rezipienten zur Meinungsbildung und Bewertung hilfreich gewesen. Dafür greift Warnke tief in die Esoterik-Kiste und ordnet alles von der Reinkarnation, über Nahtoderlebnisse bis hin zur schwarzen Materie einem universellen Bewusstsein zu. Das Buch wird weder philosophischen Ansprüchen nach einer klaren Begrifflichkeit und logischen Argumentation noch wissenschaftlichen Ansprüchen nach einer kritischen Beleuchtung der empirischen Forschung mit Diskussion, wie die spekulativen Thesen überprüft werden können, gerecht. Nach der Lektüre bin ich mir nicht sicher ob ich mehr enttäuscht oder mehr verärgert bin. Fazit: Das Buch kann ich nicht empfehlen. Allen, die das Buch dennoch lesen, empfehle ich kritisch zu bleiben.

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Danke, lieber Michael! Auch Julia und mir spricht der Text aus der Seele. Herzliche Grüße, Nina

Wunderbar, das spricht mir aus der Seele. Heimat ist das Vertraute, Persönliche und Individuelle. Eine die Heimat gibt es allerdings nicht.

[…] Sie mehr über die Intention das eigene Ich zu Formen, in dem Blogbeitrag “A life of intentionality” von Nina […]

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Liebe Julia, danke für diesen wunderbaren Artikel. Du schreibst in Deinem wundervollen Stil genau das, was ich fühle. Danke Dir von ganzem Herzen für diese Verbindung. Liebe Glitzergrüsse aus Nürnberg Iris Schuster

[…] lesen Sie vor allem anderen erstmal den Blog zum Thema Quantenphilosophie und Spiritualität von Julia Kalmund und nähern Sie sich so den Büchern von Ulrich […]

[…] “Die Referenten haben mich in die Lage versetzt die Dinge für einen Moment von einer höheren Ebene aus zu betrachten… Die Beleuchtung der Komplexität in allen Themenbereichen, und der Einblick in die Reichweite der Folgen unseres täglichen Tuns, bringen mich insofern weiter, dass sie mir noch mehr Achtsamkeit im Alltag ans Herz legen. Wir fällen so oft so schnell Urteile und wünschen uns so sehr einfache schnelle Lösungen zu finden, dass dies droht Teil des Problems zu werden.”, schrieb ich im November 2017 im Nachgang zu unserer Ethik-Konferenz. Auch hier ging es mir um den Blick von oben… Den Beitrag in voller Länge finden Sie hier.  […]

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Von Herzen gerne! Liebste Grüße zurück - und Danke für die Rückmeldung/den Kommentar. Das schätze ich sehr! Nina

Fantastisch! Ein Feuerwerk an klugen, witzigen und "very handsome" Inspirationen. Danke dafür! Herzgruss, Cornelia

Sehr schön gesagt, lieber Michael! Danke!

Wenn man alles hat, hat man nichts! Denn es gibt keinen Unterschied mehr, alles ist gleich verfügbar. Ich würde mir Folgendes wünschen: Neues erfahren, auch Mal gefordert werden und dabei das Leben zu meistern.

"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!" Erich Kästner

Liebe Julia Kalmund, die Zeitschiene ist wie ein roter Faden im Leben. Und Orientierung ist schließlich eines unserer großen Grundbedürfnisse. Sie ist, so meine ich, allerdings auch ein großer Hemmschuh. Nämlich dafür, das Jetzt&Hier zu spüren und zu leben. Wir denken rückwärts und agieren vorwärts, verstandgetrieben. Unseren inneren Kern erleben wir nur im Hier&Jetzt, der nur dann in der äußeren Welt einen Nutzen erweist. Das macht sich als "Sinn" in unserem Begreifen deutlich. So sehe ich das jedenfalls. Noch etwas: Woher wissen wir, dass es nur diese eine Zeitschiene gibt? Nicht verschiedene Parallelzustände etwa? Quantentheoretiker haben höchst inspirierende und befreiende Ideen dazu. Gerade neulich sprach ich mit einem darüber. Jedenfalls - am liebsten ist mir eine dichte, lebendige Augenblicksqualität. Ich arbeite daran, immer öfter sogar erfolgreich:-). Herzlich, Cornelia Katinka Lütge

Ich finde es sehr gut und richtig den Blick weg von der Schuld und hin zur Verantwortung zu lenken. Genauer noch: zur Selbstverantwortung! Die Ursachenforschung im Zusammenhang mit den Geschehnissen in HH dürfte weit greifen: Politik auf Bundes- bzw. städtischer Ebene, Weltpolitik, Sicherheit, Gruppierungen, Einzelne. Wer hat wo und aus welchem Grund die Verantwortung für das eigene Handeln aus den Augen verloren, die Auswirkungen auf Andere billigend in Kauf genommen, opportunistisch entschieden? Die Fragen sind mindestens so komplex und miteinander verwoben wie deren Antworten. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn die Rufe nach Rücktritt Erfolg hätten. Es geht nun um tiefe und breite Reflexion, verantwortungsvolle Schlüsse und Entscheidungen für akute sowie chronische Notwendigkeiten: Wie werden Geschädigte entschädigt? Wie verbessern wir unseren Bildungsauftrag? Was müssen Experten dazu lernen usf. Und den offenen Dialog damit mit den BürgerInnen unserer verletzten Stadt. Einzig, in dieser schnellebigen Zeit, beschäftigt der Alltag und nachfolgende Erlebnisse, die das Gras rascher wachsen lassen. Ich bin gespannt, liebe Nina, was wir dazu noch erfahren werden. In meinem Dunstkreis jedenfalls ist G20 in HH bislang noch täglich Thema...

"Wir wollen eine uns eigene Existenz aufbauen, tun aber wahrscheinlich gut daran den Männer ihre Männlichkeit nicht zu nehmen. Denn das ist eine Frage der Würde." Wirklich nett! Ich finde es in diesen Debatten immer wieder schlimm wie eindimensional über Männer abgeurteilt wird. Als könnte man als Mann kein harter Kerl sein und gleichzeitig auch weiche und sanfte Züge haben. Überhaupt dieses ganze Gerede über Männer, als wären wir alle gefühlose Grobiane, die jetzt durch den Feminismus das erste Mal die Chance haben, sowas wie Gefühle kennen zu lernen. Da sieht man nur, dass viele der bestehenden Stereotype nicht nur jahrelang von uns Männern getragen wurden sondern mindestens genau so massiv von Frauen weitergereicht wurden. Und ich will hier kein Derailing betreiben. (Vielleicht mache ich es ohne es zu merken, ich sollte mir da kritischer gegenüber sein.) Sehr viel von dem Mist zwischen den Geschlechtern geht zweifelslos von Männern aus, aber manchmal hat man das Gefühl, die Frauen würden die Probleme überall suchen, und finden, nur nicht in ihrem eigenen Verhalten, zu sich selbst und zueinander.

Vielleicht ist das mit dem Feminismus wie mit dem Geld: Der schlechte Ruf eilt voraus. Und womöglich ist der sogar gewollt, denn da steckt ja viel MACHT drin. Nicht nur im Geld. Auch im Feminismus und der potentiellen Wirkung, dass Frauen wirklich gleichberechtigt - auch finanziell - sind. Mein Verstand kann verstehen, dass viele diesen Zustand fürchten und die Wirtschaft losrechnet, wie man diese diese Fairness und Gehaltserhöhung für Frauen leisten kann. Doch ganz ehrlich und von Herzen: wie viel lebenswerter ist die Welt und auch das Geld und jede partnerschaftliche Beziehung, wenn einfach mal die Ausbeutung qualifizierter Frauen und Mütter nicht mehr gegeben ist? Vielleicht kann ich das als Geldcoach nur anders herum sehen: Für mich ist Feminismus ein Thema für die Männer. Ich habe viele begleitet, die in Scheidungen vieles oder alles verloren haben oder gar Schulden machen mussten. Wenn Frauen nahtlos gut und gleichberechtigt jederzeit Geld verdienen, wäre das in dem Maße ja nicht mehr der Fall. Leider waren wir bisher noch nicht in der Lage die Vielzahl an Einzelfällen als kollektives Problem zu lösen. Indem wir uns nicht mehr nur direkt für die eigenen Interessen einsetzen, sondern auch für diejenigen, deren Kräfte wir benötigen und wertschätzen: Dann engagieren sich Männer für Frauen und Rentner wählen für die Interessen der nicht wahlberechtigten Kinder und Jugendlichen.

Vielen Dank für diese Worte! Herzliche Grüße!

Volle Zustimmung! Lasst uns im Kontakt mit unserem Sehnen an positiven Visionen arbeiten!

Sehr gerne! Auch wir finden, dass es wichtig ist zu verstehen, dass es immer noch ein sehr aktuelles Thema ist das uns alle angeht und angehen muss. Jung und alt, männlich und weiblich. Es hat mich sehr nachdenklich und auch traurig gestimmt, als Angela Merkel vor gar nicht langer Zeit bei dem G20 Frauengipfel sagte, sie würde sich nicht als Feministin fühlen. Feministin zu sein, bedeutet wirklich nur dafür einzustehen, dass alle dieselben Rechte genießen. Also: We should all be feminists! Herzliche Grüße, Nina

Emma Watsons Rede rührt mich immer wieder zu Tränen! Und ich merke: Ich werde sehr ungeduldig, absolut ungnädig und immer kämpferischer. Meine beiden Töchter und all die anderen tollen Mädchen da draußen sollen keine Grenzen erfahren. Weil sie weiblich sind! Danke für diesen Beitrag!

Liebe Cornelia, vielen Dank für die Anregung! Das wissen wir wirklich sehr zu schätzen. Und ja! Unbedingt sehr gerne bald etwas zu Fehler und Lernen.... Liebste Grüße, Nina

Das Verzwickte ist: Hat ein Unternehmen das Neue, das die GenY mitbringt, eingeschwungen, kann essogleich mit der GenZ weitermachen. Die nämlich, so heißt es, haben wieder ganz andere Vorstellungen. Es wird sich also etwas Prozesshaftes etablieren, fast fluide. Deswegen müssen wir uns auf agiles Arbeiten einlassen und eine neue Fehler- und Lernkultur zulassen. Schreibt ihr etwas über Fehler und das Lernen, bitte? Es hängt so viel daran. Herzlich, Cornelia

Danke, lieber Dominik!

Liebe Cornelia, sehr, sehr gerne! Vielen lieben Dank, dass Du uns zu unseren Blogbeiträgen schreibst! Das ist sehr wertvoll für uns. Herzlichst, Nina

Oh, wow! "Die Liebe hört niemals auf. – Korinther" - der Taufspruch für meine Töchter. Danke für diese wunderbare Auswahl so schöner Aussagen zur Liebe!

Sehr schöner Beitrag! - Und ich hab den passenden Song dazu geschrieben :-)) https://youtu.be/6bfmYY-bEHQ Alles LIEBE - Dominik

Liebe Cornelia, Du weisst wie glücklich und dankbar mich Deine Worte machen und ich freue mich sehr, dass wir uns gefunden haben. Herzlichst und bis hoffentlich ganz bald, Nina

Liebe Elke, es würde mich natürlich riesig freuen, wenn mein kleines Buch seinen Weg auch in Deine Hände und in Dein Herz finden würde. Ich wünsche auf jeden Fall einen wunderbaren Urlaub und freue mich sehr, dass wir durch Street Philosophy Cornelia 'gefunden' haben und dadurch auch den ohfamoosen Blog. Sehr herzliche Grüße, Nina

Wow, das freut mich sehr, dass dieser so wunderbare Beitrag auch hier zu lesen ist. Denn Cornelia hat ein sehr feines Gespür für das Gute dieser Welt – ich merke, bald muss ich dieses Werk auch lesen – und da bald Urlaub ist, bin ich hier auch guter, nein: bester Dinge :-)

Liebe Nina! Dein Buch hat einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal und ich habe es schon mehrfach empfohlen, davon erzählt. Dass meine Sicht auf dein Werk nun einen Platz in deinem "read and reflect" hat, erfreut mich an diesem sonnig-stürmischen Morgen. Liebstgruss, Cornelia