Braucht mein Leben ein Ziel?

-oder etwa nicht?

Die Jüngeren unter uns wissen wie “abhängen” geht. Sie können “chillen” ohne schlechtes Gewissen.

Sie haben kein Ziel, kein unmittelbares, sie leben dahin. Und wir, wir schütteln den Kopf, rümpfen die Nase oder, wenn wir es uns eingestehen, sind wir einfach neidisch.

Im Erwachsenendasein meinen wir immer zielgerichtet agieren zu müssen. Aus allen Richtungen kommen die Empfehlungen. Ein Ziel zu haben gibt uns gewissermaßen Sicherheit, dass wir unsere Zeit nicht vergeuden, dass wir wissen, wo es lang geht, warum wir gerade das tun, was wir tun, wohin uns das führt.

Und doch gibt es keine Gewissheit, keine Garantien, aber jede Menge Druck.

Natürlich ist es schön, wenn wir darüber im Klaren sind, was wir uns überhaupt erhoffen. Und die Umrisse eines möglichen Weges, wie wir unsere Wünsche umsetzen könnten, vor Augen haben. Aber meistens machen wir uns schon Sorgen, wenn unsere Vorstellungen verschwommen sind. Wenn wir mal dies und jenes ausprobieren, ohne das Ende abzusehen. Wenn wir es wagen das Ungewisse aus vollem Herzen herbeizusehnen, und zeitweise das Risiko eingehen. Nicht zu planen, dann öffnen sich Möglichkeiten, die größer sind, als das allzu eng geplante.

Sicherlich können wir uns im Alltag nicht völlig planlos treiben lassen. Jede von uns hat Pflichten, und eine Verantwortung für sich selbst und meistens auch noch für andere Menschen. Wir müssen fast in jedem Augenblick unseres Lebens Entscheidungen treffen, deren Tragweite größer ist, als das, was wir uns in dem Moment eingestehen. Um so wichtiger scheint es mir sich Auszeiten zu gönnen, um träumen zu dürfen.

Nebst allen unmittelbaren Zielen, von den Kleinigkeiten im Alltag bis zu denen, die ein Leben verändern können, gibt es Ziele, die Seelenfrieden bringen, die uns mehr Bewusstheit schenken, die mit Toleranz und Akzeptanz zu tun haben, anderen und uns selber gegenüber.

Das sind Ziele, die nicht auf Listen geführt werden, die man nicht täglich um 1% steigern muss, die sich verändern je nach Gemüt und Lebenslage. Das sind die wahren Ziele vielleicht, weil sie ureigen sind, und uns auf einer ganz anderen Ebene weiterbringen, als die Karriereleiter und ein durchtrainierter Körper.

Sie bedeuten mehr als ein durchorganisierter Alltag, erfolgreiche Nachwuchs, Erwähnung in den Medien und abertausende von Followern.

Um zu erforschen, welche Ziele uns wichtig sind, und wann wir uns auf welche Ziele fokussieren, sollten wir in der Lage sein in uns hineinzuhorchen, unsere Bedürfnisse zu uns sprechen zu lassen. Auch das braucht letztendlich Mut und Risikobereitschaft aber die Mühe lohnt sich, weil wir uns selber Zeit schenken, und lernen frei von Zwängen “abzuhängen” und zu “chillen”.

 

 

Julia Kalmund, September 2018

 

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